Freitag, 25. März 2011

Melbourne-Identität

Federation-Square in Melbourne

Mann mann mann ist das lange her, dass ich hier gepostet habe. Die Zeit verfliegt und irgendwie findet man doch immer wieder was anderes zu tun, als sich die Minuten zu nehmen um einen Blogpost zu verfassen. Mittlerweile befinden wir uns gerade in den Grampians, einer Gebirgskette in Victoria. Wie  wir hierher gefunden haben und was wir auf dem Weg erlebten, werde ich nun versuchen wiederzugeben.
Nach unserem Entschluss das Arbeiten in Robinvale hinter uns zu lassen war das nächste angepeilte Reiseziel Melbourne. Bus und Zug gebucht (erste Zugfahrt in Australien..Fazit: Auch nicht anders als in Deutschland!) und nach 6 Stunden fanden wir uns im zentral gelegenen Nomads-Backpackers wieder. Für knappe 26 Dollar im 10er Dorm kein Schnäppchen, aber für Großstadt-Preise durchaus akzeptabel. Neben uns waren in dem Zimmer noch 3 Schweden, 1 Deutsche, 1 Engländerin und 1 Taiwanese. Sehr lustig war vor allem die Vorstellung von dem Taiwanesen. Dieser schien genau eine Geschichte über sich auf Englisch drauf zu haben. Der Name ist mir entfallen, aber nennen wir ihn einfach mal Chris. Ich war als erster dran. „Hi i’m Chris. I am from Taiwan, but i studied in U.S.A. for the last year. I may go to Adelaide over the weekend, so I may move out tomorrow.“ So in etwa ging es. Ich stellte mich vor und damit war es getan. Dann kam Julia rein und wie eine Kassette, die sich zurückgespult hatte ging es mit den exakt gleichen  Worten: „Hi i’m Chris. I am from Taiwan, but i studied in U.S.A…..“. 
Central-Station
Mega lustig und als es sich schließlich bei Rob wiederholte kam ich um ein Schmunzeln nicht mehr herum. Mit diesem Deja-Vu Erlebnis ging es los in die Stadt. Es war am Nachmittag und wir wollten einfach nur ein wenig umherlaufen und einen Eindruck gewinnen. Im Gegensatz zu Sydney erschien mir Melbourne eher wie eine gewöhnliche, hügelige Großstadt. Zu meinem Erstaunen gefiel mir dies aber durchaus besser als das ganze protzige Gehabe in Sydney. Rechtwinklig zueinander verlaufende Straßen bildeten das Stadtzentrum, welches mit kleinen Cafes und den üblichen großen Einkaufszentren lockt. Von der Fahrt etwas müde verlief sich der Tag im Hostel und nach wenig Schlaf dank unseren Mitbewohnern, steppten wir am nächsten Tag aus unseren Betten. Der Taiwanese war schon wach und hatte offensichtlich am Vorabend etwas über den Durst getrunken, denn er konnte sich nicht mehr an Julia erinnern. Mit den Worten „Hi, Im Chris. I am from Taiwan…“..“Yes i know“….“Oh have we met?“ stellte sich eine nette Morgens-konversation ein.
 Am zweiten Tag in Melbourne stand die Tagesaufgabe fest: Ein Auto für den bevorstehenden Trip soll gefunden werden. Schon am ersten Tag fielen uns die am schwarzen Brett aushängenden Angebote auf. Auf den ersten Blick klangen zwei ausgeschriebene Kombis vielversprechend. Viel Camping-Ausrüstung und unter 3000 Dollar mit kürzlichem Check-up waren unsere wesentlichsten Kriterien. Die ersten Anrufe liefen jedoch leider ins Leere. Das eine Auto sei so gut wie verkauft, aber er würde sich am Nachmittag nochmal melden. 
Men reign the world
Der andere Verkäufer ging nicht ans Telefon. Hrm..okay, auf geht’s in die Stadt: Freies Internet suchen. So fanden wir uns kürzlich auf dem Federation Square wieder, einer der zentralsten und populärsten Plätze in Melbourne. Hier gab es neben kostenlosem WiFi auch noch eine „Big and Chic“-Modenshow oben drauf. Neben molligen Models fanden wir schnell heraus, dass im Internet nur wenig lokrative Angebote auf uns warteten. So schmiedeten wir den Plan bei anderen Hostels die schwarzen Bretter nach Autos abzusuchen. Ums kurz zu machen fanden wir schließlich einen Holden Commodore, der von zwei Deutschen für 3500 Dollar verkauft wurde. Für ein 1996er Baujahr und über 250000 km natürlich viel zu teuer, aber dafür mit einer Menge Camping-Zubehör und Dachgepäckträger zu haben. So fuhren wir nach St.Kilda, dem Strand-Stadtteil von Melbourne, wo wir uns mit den Verkäufern verabredet hatten. Auf einem McDonalds Parkplatz (ach hier kommen immer wieder Erinnerungen an meine glohrreiche Karriere hoch) trafen wir auf ein absolut dreckiges weisses Gefährt, was von den Deutschen als zuverlässiger Wegbegleiter angepriesen wurde. Was von draussen schon nicht schön aussah, war von drinnen noch schlimmer. Ein undichtes Fenster („ja gut, da kommen aber wirklich nur ein paar tropfen durch“) und eine Verwüstung die seinesgleichen sucht. Ein besonderer Vorteil von dem Auto war auch die Zulassung in Western-Australia, was von den beiden mehrfach wiederholt wurde. Hier ist nämlich kein roadworthy-certificate (ähnlich wie der TÜV in Deutschland) vor der Zulassung notwendig. Ja sauber, also ist das Auto noch nie gecheckt worden! Das hört sich wirklich klassen an, wow! Auch die Probefahrt verbesserte unseren Eindruck nicht und der Entschluss eines Nichtkaufs stand alsbald fest. Zurück bei dem McDonald Parkplatz trafen wir durch Zufall auf ein deutsches Pärchen, was dort ebenfalls ihren 1995er Holden Commodore Kombi verkaufte. Obwohl ein Jahr älter, sah dieser sehr viel gepflegter und neuer aus.
Stolze Besitzer! Unser Baby!
Sie würden ihn gerne für 3000 inklusive allem möglichen Camping-Gear verkaufen und würden das Auto morgen zum Check in die Werkstatt bringen. Ein anderer Käufer sei schon interessiert. Hrm gut, Nummern ausgetauscht und weiter zum nächsten Auto, denn der erste Verkäufer vom Vormittag hatte sich gemeldet und war zu Fuß zu erreichen. Ums kurz zu machen, gefiel uns zwar der Typ Auto (Ford Falcon) etwas besser, aber der Zustand war abermals nicht nach unseren Vorstellungen. Mann mann mann schwerer als gedacht ein Auto zu kaufen. So fuhren wir unentschlossen zurück zum Hostel und auch der Goon (Backpacker-Wein), sowie das nachfolgende Weggehen in die Turf-Bar führten zu keiner Entscheidung.
Am nächsten Tag ging es zum Queen Victoria Market, einer der größten Märkte in Melbourne. Irgendwie erscheinen einem nach den Nachtbasaaren in Thailand und Vietnam alle anderen Billig-Märkte wie nachgemacht. So erging es uns auch bei diesem. Überall dieselben billigen T-Shirts, gefälschte Lederjacken und Spielzeug, was keiner haben will. Das einzig Gute was wir dem Markt abgewinnen konnten, war das billige Obst. Nach langer Zeit mal wieder Erdbeeren für 1 Dollar (Schnäppchen) und Bananen für unter 12 Dollar das Kilo (wirklich wahr, 12 Dollar pro Kilo, dank der Flut…Thanks a lot!). Immernoch ungeklärt war die Autofrage. 
2 haben das Motto des Fotos begriffen.
Der Engländer nicht ;-)
Schließlich rief das deutsche Pärchen an und klärte uns über den Werkstattbesuch auf. 700 Dollar hätten alle Reparaturen gekostet. 2 neue Räder, Windschutzscheibe ersetzt und Scheibenwischergummi erneuert. Nach geübter Feilsch-Mentalität aus Thailand brachten wir sie schließlich auf 2700 Dollar insgesamt herunter und um es kurz zu machen einigten wir uns am Nachmittag darauf, das Auto zu kaufen. Ein 1995er Holden Commodore Kombi mit über 300000 gefahrenen Kilometern. Manche werden jetzt sagen, dass ist viel zu überteuert und wahrscheinlich haben sie Recht, aber es ist wirklich nicht einfach ein zuverlässiges billiges Auto zu finden und bislang hat uns unser Baby noch nicht im Stich gelassen.
Am nächsten Tag wurde das Auto auf meinen Namen registriert und im gleichen Zuge das Geld in Cash ausgetauscht. Ein komisches Gefühl mit 900 Dollarn in der Tasche in Melbourne rumzulaufen. Naja wir wurden das Geld schnell los und am Abend wurde das natürlich gebührend gefeiert.
Am nächsten Tag ging es nochmals in die Stadt zum Shoppen. Das war zumindestens der Plan. Schnell packte uns jedoch ein leichtes Hungergefühl und wir hatten Lust mal wieder in einem All-you-can-eat Restaurant zu essen. Dies hatten wir bereits am ersten Tag in Melbourne für 9,50 Dollar in einem chinesischen Restaurant gemacht und wollten ein gleichwertiges Angebot suchen. Ja was soll man sagen. Nach ungefähren 2 Stunden Suchen und sogar Internet-Durchforsten bei Hungry-Jacks haben wir nichts gefunden und endeten schließlich bei Subways footlong sandwich! Yummy.
Auf dem Weg zum Casino.

Abends ging es dann ins Casino. In Melbourne ist eines der größten Casinos der Welt und das sollte ausprobiert werden. Groß war es tatsächlich und groß war auch unser Unglück. Sogar Julia, die für gewöhnlich immer beim Roulette gewinnt, verspielte ihren Einsatz in Windeseile und nach guten 30 Minuten war unser Geld dahin. Ich versuchte mich zum ersten Mal beim Blackjack und war mit meinem Einsatz von 5 Dollarn (Mindesteinsatz war 5 Dollar) nach einem Spiel auch schon wieder durch damit. Trotzdem eine gute Erfahrung und mit dieser schliefen wir die letzte Nacht in Melbourne. Diese war wohl die schlechteste Nacht bisher, denn die Mädels auf unserem Zimmer (die Engländerin und die Deutsche) scheinen es als Spiel zu nehmen, dass sie mit jedem neuen Jungen auf dem Zimmer schlafen. So auch mit den neu eingezogenen Amis. „Kiss me here“ ertönte es des Öfteren und scheinbar hatte sich wohl die Engländerin für den Falschen von den beiden entschieden, was dem anderen nicht gefiel.
Obwohl kein Auge zu gemacht ging es am nächsten Tag gut gelaunt zu unserem Auto und der Road Trip entlang der Great Ocean Road sollte beginnen. Hierfür beginne ich einen neuen Post, der wohl mehr aus Fotos bestehen wird, denn die Eindrücke waren wirklich fantastisch. Roland, raus!

Kleiner Vorgeschmack auf die Bilder der Great Ocean Road

Freitag, 18. März 2011

Das Ende der Olivenbaum-Ära in Robinvale

Wolkenformationen in Robinvale

Nach unserem Kurzurlaub in Red Cliffs trafen wir vor 1 ½ Wochen wieder in Robinvale ein und bezogen abermals das uns vertraute Little-Asia Haus in der Einöde. Nachdem der nächste Tag frei war schmissen unsere asiatischen Mitbewohner eine kleine „Party“ am Abend. Party ist echt übertrieben, denn im Nachhinein ähnelte das Ganze eher einem Teenager-Geburtstag, bei dem erste Alkoholerfahrungen gemacht wurden. Peinlich, ganz peinlich. Dabei muss erwähnt werden, dass unsere Mitbewohner zwischen 20 und 30 sind. So nun zu den Einzelheiten.
Nachdem am Nachmittag bzw. kurz vor unserer Ankunft alle möglichen Delikatessen zum Essen vorbereitet wurden, trafen am frühen Abend einige Freunde von der Olivenfarm ein. Unter anderem kam auch einer unser asiatischer Arbeitgeber und brachte Bier und sogar eine Flasche Rum mit. Soweit so gut und bislang war noch nicht viel Unterschied zu einer regulären Party ersichtlich. Dann ging es los..Zunächst wurde gegessen, wovon wir nicht viel mitbekamen, denn wir waren in unserem Zimmer. Plötzlich wurden wir von lautem Gekreische und Gelächter in die Küche gelockt. Dort standen alle um den Tisch und Andy (unser Arbeitgeber bzw. derjenige der uns das Geld übergibt) füllte Rum + Cola in 2 Gläser, bevor er diese an 2 Leute weiterreichte.
Starke Kartenarchitektur von Rico
Es wurde schnell klar, dass Rum für die meisten Asiaten nicht zum Standardgetränk zählt und unter tosendem Blitzlicht-Gewitter wurden die sich schüttelnden Trinker festgehalten. Offenbar gehört für jeden Asiaten die Kamera zu einer guten Party dazu, denn wirklich jeder machte Fotos. Jeder musste ein Glas Rum + Cola trinken und als schließllich wir an der Reihe waren schienen alle Fotografen sichtlich verdutzt zu sein. Kein Schütteln? Mögt ihr das etwa? Was ist denn mit euch kaputt? schien es in ihren Köpfen herum zu gehen. Ein besonderes Highlight war auch noch, als ein Pärchen aus dem Haus zusammen „auf Brüderschaft“ trinken sollte. Krampfhaft und geradezu schmerzverzerrt näherten sich die beiden, hakten ihre Arme ein, tranken und gingen so schnell wie möglich wieder auseinander. Kuss? Natürlich nicht, hallooo wir sind hier auf einer Party und nicht im Puff! So ging es in einem Zug weiter. 
Rob und David
Nachdem es die ersten Mädels durch den Rum ausgeknockt hatte, wurde von „Swing“ (den Namen hat sie sich selbst ausgesucht) verlangt zu tanzen. „Tanz…Tanz…Tanz“ schrien immer wieder Leute auf chinesisch. Swing hat wohl mal in der Schule in einer Tanzgruppe getanzt. Nach peinlicher Zierde stand sie auf und forderte andere Leute auf ihr zu folgen. Schließlich machte sie eine 2 Sekunden lange Choreographie vor, die sogar ich hinbekommen hätte. Abermals unter tosendem Gelächter und Tausenden von Fotos tanzten schließlich 5 Chinesinnen in unserer Küche für 2 Sekunden. Danach sahen sie so aus, als wären sie am liebsten im Boden versunken. Mann kam sich vor wie in einem falschen Film. Natürlich wusste ich, dass einige Asiaten von Natur aus nicht viel Alkohol vertrugen und deshalb nicht viel tranken, aber sowas hatte ich von einer asiatischen Party nicht erwartet. Als Nächstes kam dann das beliebte Partyspiel:„Was ist für diese Person typisch?“. Reihum werden die Personen durchgegangen und man einigt sich auf einen für diese Person typischen Satz bzw. eine typische Mimik oder Gestik. Wow, was für ein Spaß und anschließend wurde das Ganze auf Video aufgenommen. Rob und ich wurden bei dem Spiel übersprungen, denn schließlich kannte man uns noch nicht lang genug um einen für uns typischen Satz zu finden. Den Abschluss der Party machten dann Gruselgeschichten. Das Licht wurde ausgemacht und jeder der eine Gruselgeschichte kannte durfte sich mit der Taschenlampe ins Gesicht leuchten und sie erzählen. Eine Geschichte wurde extra für uns in gebrochenem Englisch von Go Go erzählt. Leider habe ich sie nicht ganz verstanden, aber das schiebe ich mal auf das eine Glas Rum + Cola. Alles in allem eine super Erfahrung und schön zu sehen, dass es in anderen Kulturen nicht zu jeder Party dazugehört sich ins Delirium zu trinken. Aber Gruselgeschichten? Wirklich?...
Spaß beim Traubenpflücken

Nachdem am nächsten Tag Rico und David, 2 Deutsche die wir in Red Cliffs kennengelernt hatten, zu uns stießen, ging es am Montag fröhlich zum Olivenbaum-Frisieren. In gewohnter Manier galt es 2er Grüppchen zu bilden und so traf ich auf Vanessa, weil Julia und Rob zusammen arbeiteten. Vanessa kam aus Frankreich und hatte ihren ersten Tag auf der Olivenfarm. Nach den gewöhnlichen Floskeln „woher kommst du?“ „wo warst du schon in australien“..bla bla bla meinte sie dann „This morning i was so angry“. Ich meinte nur: „oh okay, why? What happened?“. Sie antwortete: „I was so angry, i could eat so much“. Häh du isst dann immer viel wenn du wütend bist? „hm okay, but why were you angry?“…“I dont know, my stomach was empty“…Irgendwann dämmerte es mir, dass sie meinte sie sei “hungry” und nicht „angry“. „Ahh yes you mean you were hungry this morning?“..“Yes, so angry“..”hungry”..”Angry”….ja gut und dabei hab ichs dann belassen. Keine Chance mit ihrem Akzent. Die wird es nochmal schwer haben, dachte ich…ganz schwer wird dies haben. So entwickelten sich einige Annekdoten: „buttons of mostiko“ war für sie das gleiche wie „moskito bites“ und choco-late bzw. ima-gine werden nun immer in Erinnerung bleiben.
Die Arbeit war die ersten Tage wirklich erträglich und nicht so schlimm, wie wir sie in Erinnerung hatten. Das lag vor allem an dem Wetter, denn es war angenehm warm (so um die 26 Grad) und es gab wenig Fliegen und Moskitos. So gingen die Tage dahin und am Abend vertrieb man sich die Zeit mit Bierchen, Kartenspielen und Kochen. Sehr lustig waren auch immer wieder die Versuche von Rico deutsche Sprichworte oder Redewendungen für Rob ins Englische zu übersetzen. Aus dem Nichts kam es plötzlich:“Ey Rob do you also have the word shit-saussage?“. Auf die Frage was er auf Deutsch sagen will, meinte Rico:“Kackwurst“. So wurden sämtliche Umschreibungen für „das Klo benutzen“ ausgetauscht (einer meiner Favoriten: „Braun fliesen“) und ins Englische übersetzt. Sehr lustig!
Auf der Traubenfarm
Ausserdem wurden auf dem Fernseher, der leider keine Programme empfangen konnte, einige Klassiker der Filmgeschichte angesehen. Von den insgesamt 6 verfügbaren Dvds, schauten wir schließlich „Out for Blood“ mit Don „The Dragon“ Wilson, der leider wenig überzeugte und alsbald wurde umgeswitched zu „Final Cut“, einem verkappten Karate Kid Vorläufer. „A Fistful Of Dollars“ überzeugte durch Clint Eastwood (“My mule doesn’t like to get laughed at”) zusammen mit grandiosen Stunts und Special Effects (Insbesondere die Maschinenpistole wurde super inszeniert). Neben dem Arbeiten auf der Olivenfarm und der Freizeitgestaltung wurde für 4 Stunden Grape-Picking auf einer benachbaarten Farm ausprobiert und für nicht gut befunden. Ansonsten haben wir uns weitere Autos angeschaut. Hierbei ist vor allem die Schrottkarre von David Wright zu erwähnen. Nachdem wir von unserem  Busfahrer und Mechaniker „Pat“ den Kontakt von David Wright bekommen hatten, ließen wir uns an einem Tag schließlich dort absetzen um uns sein Auto anzuschauen. An dem Tag hatte nicht Pat, sondern sein Bruder „Frank“ den Arbeiterbus gefahren und dieser warnte uns schon auf dem Weg dorthin vor. „I would not sell that car to my worst enemy“ war ziemlich deutlich und unsere Erwartungen sanken auf das Niedrigste.
Poker-Aktion in Robinvale
Dort angekommen erwartete uns im Vorgarten ein verrosteter Holden Commodore, der mit Starter-Kabeln an einen neuen Ford Falcon angeschlossen war. Obwohl uns allen klar war, dass wir das Auto nicht kaufen würden, klingelten wir und ein Bierbauch-geprägter Mann mit Whiskey+Cola Dose in der Hand öffnete. Er wolle kein Geld mit dem Auto machen und würde es uns für 750 Dollar geben. Es müsse halt noch das roadworthy certificate eingeholt werden und die registration, aber das sollte aus seiner Sicht nicht mehr als 1000 Dollar kosten. Dann kam auch noch seine Partnerin heraus, die uns bestimmt 10 mal erzählte, dass sie ja fast geweint hätte als sie gehört hat, dass sie das Auto verkaufen wollten. Schließlich sei es ihr Auto und ihr Baby, was ja viel zu Schade sei…Ja ja, erzähl das wem anderen! Auf Anrage unsererseits startete er das Auto mit Hilfe der Starter-Kabeln. „Yeah Battery is dead, but other than that it runs like a dream“. Aha also wenn sich so ein Traum anhört, dann bleib ich lieber wach. Ums kurz zu machen, stellte er nach 20 Minuten Überzeugungsarbeit seine Whiskey Dose hin und fuhr uns im Falcon nach Hause (war ja nur eine Dose Alkohol, kein Problem!, mann mann mann).
Vorgestern war es dann soweit und nach 2 Wochen Olivenfarm-Arbeit (die letzte woche war ziemlich hart, denn da wurden Bäume geschnitten, die schon seit 3 Jahren nicht mehr beschnitten wurden) wurden die letzten Bäume beschnibbelt. Um 12 Uhr war Schluss und mit Bier und Pizza (auf die wir 3 Stunden warten mussten) wurde das Ende der Olivenbaum-Ära gefeiert. Alle Bäume der Farm waren abgearbeitet und wir waren abermals glückliche Arbeitslose. Auf der Suche nach weiteren stündlich bezahlten Jobs bissen wir leider auf Granit und so brechen wir Morgen früh nach Melbourne auf um uns ein Auto zu kaufen und mit diesem bis an die Westküste zu fahren. Yippi Ya Yey Schweinebacke! 

Donnerstag, 10. März 2011

„We can settle this outside“

Wolkenformationen in Robinvale

Nach knapp 1 ½ Wochen auf der Olivenfarm waren wir gezeichnet von harter körperlicher Arbeit. Kleine Wunden am ganzen Körper und schmerzende Gelenke bzw. Muskeln gehörten nunmehr genauso  zum Alltag, wie unzählige Moskitostiche. Die nervigen Blutsauger schienen resistent gegen Moskitospray und stachen sogar durch eine Kleidungsschicht durch. Speziell nach 2 regnerischen Tagen war die Situation mit den Mücken und Fliegen wirklich abartig. Wenn man nicht mal mehr in der Lage ist miteinander zu reden, ohne sich fürchten zu müssen, dass eine Fliege oder Mücke in seinem Mund landet, ist irgendwas nicht in Ordnung. So war der Freitag vor nunmehr zwei Wochen einer der schlimmsten Arbeitstage bis heute. Der Entschluss war schnell gefasst: ein anderes Working Hostel und ein besser bezahlter Job mussten her. Zum Glück war es Freitag und wir konnten uns abermals an der limitierten Internetverbingung in der Stadt leiben. Nach unzähligen ausgebuchten „Working Hostels“ wurden wir schließlich fündig und Red Cliffs International Student Accomodation hatte sowohl freie Betten, als auch Arbeit!
Rob beim Olive-Pruning
130 Dollar pro Woche für die Unterkunft, freies Internet in der Nähe und für den Transport zu den Farmen sei auch gesorgt. Es hörte sich auf den ersten Blick super an. Kurzerhand kündigten wir den Olivenfarm-Job und nach einer 1 stündigen Busfahrt kamen wir am Sonntag in Mildura an. Von hier sollten wir von dem Hostelbesitzer abgeholt und nach Red Cliffs gefahren werden. Natürlich war auch nach 30 minütigem Warten noch Niemand in Sicht. Ein Anruf klärte die Mysterie und die meine australische Lieblingsausrede „I was busy“ fand abermals ihre Anwendung von Vicky, dem indischen Hostelbesitzer. Insgesmamt rund 1 ½ Stunden nach Ankunft in Mildura kam Vicky dann tatsächlich in einem Van und brachte uns mit säuselnder, leicht bekifft anhörender Stimme auf den neuesten Stand. „Where you guys from?“ „So you want to work?“ und das wars dann auch. Danach wurde das Radio aufgedreht und bei lauter Eminem Mucke nach Red Cliffs gefahren. Dort angekommen wurden wir von dem Ort positiv überrrascht. 2 Supermärkte direkt um die Ecke, Bücherei mit kostenlosem Internet..also alles was das Backpackerherz begeehrt. Das Hostel bestoch jedoch zuerst einmal durch knallharte Regeln, die unterschrieben werden mussten. Besonders die Regeln: „Kein Alkohol ausser  Freitags und Samstags abends“ und „Kein Alkohol auf den Zimmern“ ließen den Eindruck eines strikten Hostels erhärten. Wir beschlossen den mitgebrachten Wein in unseren Taschen nicht zu erwähnen und bezahlten die 130 Dollar für die erste Woche im Vorraus. Jeder von uns erhielt einen Korb mit Geschirr und Besteck und dann ging es in unser Zimmer. Das Hostel war ein altes Krankenhaus und glich zunächst einem Labyrinth. Es ging vorbei an einigen Fernsehzimmern und an der Küche, wo gegenüber einige Bierzelt-Garnituren im Innenhof zum Essen einluden. Was sich hier so idyllisch anhört, war eigentlich das komplette Gegenteil, denn es war überall versifft und dreckig. Auf den Bierzelt-Garnituren waren offensichtlich betrunkene Hostelmitbewohner und tranken. Moment mal, hatten wir nicht grad eine Regel unterschrieben, die Alkoholkonsum am Sonntag und generell während des Tages untersagt?
Fun-Times at the Busstop in Robinvale
Naja gut, erstmal das Zimmer angucken. Dort angekommen erwartete uns ein verwüsteter 8er Dorm, in dem offensichtlich noch 4 andere Personen wohnten. Auf dem Boden sitzend begrüßte uns ein vollkommen besoffener Typ, der sich mit Mühe aufrichtete und irgendwas Unverständliches lallte. Ursprünglich dachten wir (einschließlich Rob), dass er aus Ost-Europa käme und irgendwas tschechisches reden würde. Im Nachhinein kam er aus Wales und sprach Englisch mit uns. Auf dem anderen Bett lag eine Frau, die offensichtlich ähnlich betrunken war und sich nicht rührte. Auf der Türschwelle zu unserem Klo hatte sich vor Kurzem jemand übergeben und ein Eimer mit ebenfalls stinkendem Mageninhalt stand daneben. Vicky schien von dem Ganzen unbeeindruckt und wirkte auf den zweiten Blick auch ein wenig angetrunken. Von dem ersten Schock erholt, packten wir unsere Sachen aus und getrieben von unserem Hunger ging es Richtung Supermarkt. Rico und Bene, 2 Deutsche die ebenfalls mit uns gingen und schon länger in dem Hostel wohnten, klärten uns über die Gesamtsituation auf. In der Küche am besten keine Sachen lassen, die nicht unbedingt in den Kühlschrank müssen, denn Essen wird schon mal geklaut. Nicht die Schließfächer auf dem Gang benutzen, denn da gibt es keine Überwachungskamera. Ach du Scheisse, wo sind wir denn hier gelandet? Überhaupt seien die Mitbewohner in unserem Zimmer, die schlimmsten in dem ganzen Hostel und haben sich die letzten Tage wohl nur sturzbetrunken. Zurück im Hostel fragten wir Vicky, ob es nicht möglich sei das Zimmer zu wechseln, denn überall waren noch freie Zimmer zu sehen. Dieser fuhr sich durch die Haare und guckte mit seinem Schlafzimmerblick in die Gegend. Dann wurde er abgelenkt, denn ein Ire kam aufgebracht aus der Küche und meinte, dass er in den letzten 2 Tagen hier mehrmals verprügelt worden sei und er deshalb nicht für seinen Aufenthalt bezahlen wollte. Das schien Vicky nicht zu gefallen und er behaarte darauf, dass dieser bezahlen müsse. Schließlich provozierte Vicky und meinte „We can settle this outside right now, if you want“ und der Ire entgegnete “yeah im gonna get my boys”. 
Lockere 1 1/2 Stunden warten in Mildura
Damit ließ Vicky uns alleine und beide gingen raus, offensichtlich um sich zu prügeln. Mann Mann Mann, sowas hab ich noch nicht gesehen. Die ersten Eindrücke waren geradezu so positiv, dass man gleich wieder abhauen wollte. Im Nachhinein war Robinvale dann doch nicht so schlecht ging es durch unsere Köpfe.
Das einzig Gute, was man dem Hostel und Vicky im Nachhinein lassen muss, ist das wir gleich am nächsten Tag Arbeit hatten. Um 6 Uhr morgens ging es in dem Hostelvan zu einer Feigenfarm. Feige heisst auf Englisch Fig, was zu einiger Belustigung unter den Deutschen in dem Hostel führte. „Ey gehst du morgen arbeiten?“ „Jo ich bin auf der Figfarm“! Wie dem auch sei..Bei der Feigenfarm angekommen, mussten wir uns zunächst in 2er Gruppen aufteilen und uns eintragen. Danach zeigte uns der Supervisor die richtige Technik zum Feigenpflücken und klärte uns über unsere Bezahlung auf. Es wurden 3,50 Dollar pro Box gepflückter Feigen bezahlt. Jede Gruppe bekam eine Handvoll Post-Ist, wo deren Namen drauf geschrieben werden mussten. Hatte man eine Box reifer Feigen gepflückt, tat man sein Post-It hinein, schloss die Box und plazierte sie neben die Feigenpflanzen, damit sie aufgesammelt werden sollten. Pflückt man unreife oder beschädigte Feigen wird man nicht bezahlt. Fairerweise teilte er uns mit, dass in den nächsten Tagen nicht viel Geld mit dem Pflücken zu verdienen sei, da viele Feigen noch nicht reif seien aufgrund des zurückliegenden Regens. Am Wochenende sollte es jedoch deutlich besser sein und bis zu 30 Boxen am Tag seien aus seiner Sicht möglich.
Ja gut, dann mal los. Schnell wurde klar, dass 30 Boxen völlig übertrieben waren. Am ersten Tag schafften wir es gerade einmal 12 Boxen zu sammeln und wir wurden nach 6 Stunden Arbeit nach Hause geschickt, denn es waren keine reifen Feigen mehr zu finden. Der Job war relativ einfach. Man musste lediglich darauf achten die Feigen mit Stängel abzureissen (was echt nicht einfach war bei einigen) und nur die reifen Feigen zu pflücken. Der Fruchtsaft, der aus den Stängel austrat, war ziemlich aggressiv und ohne Handschuhe nach einer Weile ziemlich schmerzhaft, aber ansonsten ist Feigen-Pflücken eine sehr viel weniger körperlich anstrengende Arbeit als Olive-Pruning. Auf dem Heimweg wurde ausgerechnet, dass das verdiente Geld gerade mal für Unterkunft, Transport und Verpflegung ausreichte und wir eigentlich Nichts sparen würden. Naja gut, vielleicht wird es ja die nächsten Tage besser dachten wir  uns. Ach ja mir fällt gerade ein, dass am ersten Tag nur die Feigen-Pflücker um 15 Uhr Schluss hatten. Unglücklicherweise war unser Fahrer aber nicht unter den Feigen-Pflückern und wir mussten noch bis ca. 17:30 warten um schließlich zum Hostel zu kommen. Gut, das wäre auch erwähnt und insgesamt war es also kein grandioser erster Tag.
Reife und unreife Feigen
Leider wurde es aber auch die nächsten Tage nicht viel besser mit den Feigen. Zwar wurden wir ein wenig schneller im Pflücken und man hatte einen Blick dafür welche Feigen reif sind und welche nicht, aber das änderte Nichts daran, dass nach 4 Stunden Arbeit, die gesamte Farm abgepflückt war. So taumelten unsere Boxenanzahlen im Schnitt um die 10 pro Tag. Einmal wurden wir sogar schon um 10 wieder nach Hause geschickt, weil irgendwelche Trottel nur unreife, grüne Feigen gesammelt haben („Go for the banana yellow“ ). Kurzerhand wurde uns klar, dass wir in Red Cliffs und auf der Feigen Farm nicht viel Geld verdienen bzw. sparen können. Hrm was nun? Wir beschlossen einen Tag nach Mildura (die nächst größere Stadt in der Nähe) zu fahren und direkt bei den Hostels nach Jobs zu fragen. Gesagt getan! Nach einer kleinen Arbeitsklamotten-Shoppingspree besuchten wir einige Hostels und wurden wie erwartet von den meisten abgewimmelt. Eins klang vielversprechend und meinte es würde nur stündlich bezahlte Jobs vermitteln und würde uns anrufen, wenn es was gäbe. Ansonsten haben wir uns an dem Tag unser erstes Auto angeguckt, was „For Sale“ war (der Plan ist nämlich ein Auto zu kaufen und damit die Great Ocean Road und über Adelaide nach Perth zu fahren). Ein Ford Falcon Kombi, der von 2 Engländerinnen verkauft wurde. An sich war das Auto gut in Schuss und hatte genug Platz für uns, jedoch war es mit 300.000 km und für 3200 Dollar, dann doch etwas überteuert und wir beschlossen nicht gleich das erste Auto zu kaufen, was wir uns anguckten.
Auf der Figg-Farm (Supervisor ahead)
Zurück im Hostel wurde alsbald die schwierige Entscheidung gefällt, wieder nach Robinvale zurückzukehren. Hier hatte man schließlich Sicherheit, dass nichts geklaut wird und immerhin hatten wir dort die Möglichkeit bis zu 10 Stunden am Tag zu arbeiten und somit Geld zu verdienen. Im anbetracht auf die Arbeit waren wir alle nicht wirklich erfreut wieder nach Robinvale zurückzufahren, aber es ist ja nur für eine kurze Dauer und jetzt sind wir mittlerweile schon wieder 1 ½ Wochen hier und haben immerhin schon 800 dollar verdient. Inzwischen haben sich Rico und David (2 Deutsche, die wir in Red Cliffs getroffen haben) der Olivenfarm-Arbeit angeschlossen und zusammen bewohnen wir abermals das italienische Familienhaus im Nirgendwo! Die Arbeit auf der Olivenfarm soll in den nächsten Tagen abgeschlossen sein und falls wir keinen neuen Job finden sollten, brechen wir dann schon übermorgen Richtung Melbourne auf um dann ein Auto zu kaufen. Über einige Ereignisse in Robinvale in der letzten Woche zusammen mit weiteren interessanten Auto-Erfahrungen werde ich dann im nächsten Post berichten…From Rags To Riches in Robinvale….stay tuned

Donnerstag, 3. März 2011

“If you don’t afraid boreing, comeing!”

Einfahrt zu unserem Haus, Blick in die Einöde

Der zweifelsohne grammatikalisch einwandfreie Titelsatz ist ein Zitat aus einer SMS, die an uns kurz vor unserer Ankunft in Robinvale geschickt wurde. Yen, ein taiwanesischer Freund von Rob, beschreibt hierin mit treffenden Worten die Gesamtsituation in der Unterkunft der Olivenfarm, die alsbald unsere neue Heimat werden sollte. Kurz gesagt waren wir nicht „afraid boring“ und so trafen wir um 23 Uhr an der Bushaltestelle in Robinvale ein. Erster Eindruck: Hier liegt der Hund begraben! Schnell unseren Kontaktmann angerufen und 20 Minuten später wurden wir von Dominik, in dessen Haus wir untergebracht wurden, abgeholt. Dieser kommt ursprünglich aus Italien und kümmert sich seit einigen Jahren um die Unterkunft der auf der Olivenfarm schuftenden Arbeiter. Sein Bruder ist der Busfahrer, der die Backpacker morgens zu der rund 30 km entfernten Farm fährt. Nach kurzer Fahrt kommen wir in dem Haus an, wo wir freundlich von 2 Asiatinnen (Go Go und Suki) empfangen werden. Diese sprechen zu unserer Verwunderung sogar richtig gutes Englisch und erste Informationen über die anstehende Arbeit wurden ausgetauscht.
Im Olivenfarm Outfit (mittlerweile habe ich einen Hut)
„Um 4 Uhr aufstehen“..“ harte Knochenarbeit“..“ ihr werdet starken Muskelkater haben“..“einmal die Woche zum einkaufen, sonst keine Möglichkeit das Haus zu verlassen ausser mit eigenem auto“…“ nur asiaten in dem Haus, insgesamt 16“…WOW, gleich so viele gute Nachrichten auf einmal. Naja, wir ließen uns nicht einschüchtern und gingen in unseren aus Matratzen auf Teppichboden bestehenden Himmelbetten zu Bett. Am nächsten Tag wurden wir netterweise von Dominik nochmals in die Stadt gefahren um einzukaufen, denn schließlich war es Montag und einkaufen ist ja eigentlich nur Freitags, wie wir erfahren hatten. Bei Tag sah das Haus wirklich nett von draussen aus. Von Weinreben umgeben hatte man fast das Gefühl wirklich in einem ländlichen Teil Italiens zu sein. Ländlich trifft es hierbei eigentlich nicht ganz. Einöde oder Mitten im Nirgendwo wären wohl treffender Begriffe, denn ausser Weintrauben und anderen Farmen war nichts, aber auch wirklich garnichts zu sehen.Öffentliche Verkehrsmittel völlig ausgeschlossen. Der aus einem größeren Supermarkt und mit unter 10 anderen Geschäften bestehende Ortskern, war rund 7 km entfernt. Essen für 1 Woche wurde gekauft und in  einem kleinen asiatischen Laden wurde sogar eine Internetquelle entdeckt…Wahnsinn!
Robinvale Massacre
Nach einem ansonsten unspektakulären Vormittag kamen am späten Nachmittag unsere Mitbewohner vom Arbeiten zurück. Es war ein langer Tag und über 10 Stunden Arbeit lagen hinter ihnen. Dementsprechend sahen sie auch aus. Nacheinander trotteten 14 völlig abgekämpfte Asiaten aus dem Reisebus. Ohne uns viel Beachtung zu schenken ging es im Haus routinemäßig zum Duschen und Abendessen vorbereiten. Als hätte jeder seinen Platz, schien keiner der 14 Leute dem anderen im Weg zu stehen und es schien klar wer als erstes die beiden verfügbaren Duschen betreten oder die 5 Herdplatten zum Kochen benutzen dürfte. Wir schlossen uns an und um 20 Uhr war das meiste Gewusel zu Ende und die meisten Leute verschwanden im Zimmer um sich die noch verbleibenden 8 Stunden Schlaf bis zum nächsten Aufstehen zu gönnen.
Unser Schlafsaal
Nächster Tag, 4 Uhr morgens: aufstehen! Etwas gerädert und nach einem Kräftefrühstück wurde gesammelt vor der Tür auf den Bus gewartet. Bei glasklarem Sternenhimmel gepaart mit für uns ungewohnter früher Kälte, preparierten sich die Leute mit Sonnencreme (30+, alles andere bringt gar nichts!) und Mosquitospray. Ansonsten war lange Kleidung, Hut und wenn vorhanden Moskitonetz angesagt. Um 5:20 und somit 20 Minuten zu spät (einiges scheint also noch von der italienischen Mentalität geblieben zu sein) fuhr schließlich ein Reisebus die Einfahrt herauf. 
Rob und Julia in unserer Küche
Einsteigen und die anstehende 1 stündige Hinfahrt zur Farm versuchen noch ein wenig zu schlafen. Bei der Olivenfarm angekommen musste dann abermals noch für eine halbe Stunde gewartet werden bis Sonnenaufgang, denn bei Dunkelheit darf man nicht arbeiten. Dann war es endlich soweit. Von einem unserer Mitbewohner wurden wir mit Heckenscheren bewaffnet und nach 5 minütiger Einweisung fanden wir uns in unserer Reihe von Olivenbäumen wieder. Der Job war denkbar einfach. Geh deine Reihe durch und schneide bei jedem Olivenbaum alle Äste ab, die unter der ersten Gabellung am Stamm wachsen. Für jeden großen Menschen ein Gräuel, denn man ist die ganze Zeit auf den Knien oder in der Hocke. 
Party mit unseren Mitbewohnern
Meine Eltern im Hinterkopf („Pass auf deinen Rücken auf Roland, mach einen graden Rücken und geh in die Knie“ ;-)) ging es in Zweierteams an die Arbeit und für einen Stundenlohn von 13 Dollar war es die ersten 2 Stunden echt in Ordnung. Um 10 Uhr gab es eine 10 minütige Pause („Smoko“ genannt), in der einen umherfahrende Kawasaki 4 Wheeler mit Wasser versorgten, welches man selbst mitbringen musste. Danach weiterarbeiten bis ca. 12:30..Lunchtime. Die Hälfte des Tages  geschafft, wurde uns dann doch langsam die Eintönigkeit des Jobs bewusst und die ersten Beschwerden im Rücken und in den Knien machten sich in der 30 minütigen Mittagspause bemerkbar. Naja gut, Augen zu und durch. Pünktlich nach 30 Minuten schrie eine rauchige Whiskey-Stimme in gebrochenem Englisch „Everybody work“.  Das war J.P., ein aus Malaysia stammender Supervisor, der durch sein bestechend unfreundliches Gesicht und die Stimme auffällt. Später nannten wir ihn unter uns nur noch „The Voice“.
Sonnenaufgang auf der Olivenfarm 
An unserem ersten Arbeitstag wurden so ziemlich genau 10 Stunden gearbeitet und nach der einstündigen Heimfahrt waren wir gegen 18:15 wieder im vertrauten Heim im Nirgendwo. Nun schlossen wir uns dem Trott unserer Mitbewohner an und reihten uns in die Schlange an den Herdplatten ein. Duschen und Essen vorbereiten für den nächsten Tag. Puh, ich hätte es nicht gedacht, wie kaputt man nach 10 Stunden körperlicher Arbeit ist. 
Den nächsten Tag kam Rob dazu und so gingen die nächsten Tage dahin. Obwohl man es während der Arbeit kaum noch aushielt, war man dann doch erstaunlich zufrieden, wenn man zu Hause ankam und das Abendessen genoss. Zusammen mit dem Gedanken des verdienten Geldes war es vor Allem der Wille das Ganze durchzuhalten der einen vorantrieb. Schließlich war Farmarbeit und im Speziellen körperliche Arbeit, eine Sache die ich während meines Aufenthalts ausprobieren wollte. Gut, das wäre abgehackt und um es kurz zu machen bin ich dann doch wieder sehr froh irgendwann in einem klimatisierten Büro zu sitzen bzw. eine Tätigkeit auszuüben bei der man sich nicht überlegen muss, wie man am besten seinen Rücken oder seine Knie entlastet.
Mittlerweile sind wir nach einer Woche in Red Cliffs (einem Nachbarort von Robinvale)  wieder in Robinvale gelandet und schuften im gewohnten Alltag auf der Olivenfarm. Wie es dazu kam bzw. was in Red Cliffs passierte, werde ich im nächsten Blog-Eintrag berichten. Wie beschrieben haben wir leider kein Internet im Haus und die einzige Möglichkeit etwas hochzuladen ist am Freitag während des 2 stündigen Einkaufsaufenthalt in der Stadt. Ich werde versuchen demnächst wieder up-to-date zu posten.