Donnerstag, 3. März 2011

“If you don’t afraid boreing, comeing!”

Einfahrt zu unserem Haus, Blick in die Einöde

Der zweifelsohne grammatikalisch einwandfreie Titelsatz ist ein Zitat aus einer SMS, die an uns kurz vor unserer Ankunft in Robinvale geschickt wurde. Yen, ein taiwanesischer Freund von Rob, beschreibt hierin mit treffenden Worten die Gesamtsituation in der Unterkunft der Olivenfarm, die alsbald unsere neue Heimat werden sollte. Kurz gesagt waren wir nicht „afraid boring“ und so trafen wir um 23 Uhr an der Bushaltestelle in Robinvale ein. Erster Eindruck: Hier liegt der Hund begraben! Schnell unseren Kontaktmann angerufen und 20 Minuten später wurden wir von Dominik, in dessen Haus wir untergebracht wurden, abgeholt. Dieser kommt ursprünglich aus Italien und kümmert sich seit einigen Jahren um die Unterkunft der auf der Olivenfarm schuftenden Arbeiter. Sein Bruder ist der Busfahrer, der die Backpacker morgens zu der rund 30 km entfernten Farm fährt. Nach kurzer Fahrt kommen wir in dem Haus an, wo wir freundlich von 2 Asiatinnen (Go Go und Suki) empfangen werden. Diese sprechen zu unserer Verwunderung sogar richtig gutes Englisch und erste Informationen über die anstehende Arbeit wurden ausgetauscht.
Im Olivenfarm Outfit (mittlerweile habe ich einen Hut)
„Um 4 Uhr aufstehen“..“ harte Knochenarbeit“..“ ihr werdet starken Muskelkater haben“..“einmal die Woche zum einkaufen, sonst keine Möglichkeit das Haus zu verlassen ausser mit eigenem auto“…“ nur asiaten in dem Haus, insgesamt 16“…WOW, gleich so viele gute Nachrichten auf einmal. Naja, wir ließen uns nicht einschüchtern und gingen in unseren aus Matratzen auf Teppichboden bestehenden Himmelbetten zu Bett. Am nächsten Tag wurden wir netterweise von Dominik nochmals in die Stadt gefahren um einzukaufen, denn schließlich war es Montag und einkaufen ist ja eigentlich nur Freitags, wie wir erfahren hatten. Bei Tag sah das Haus wirklich nett von draussen aus. Von Weinreben umgeben hatte man fast das Gefühl wirklich in einem ländlichen Teil Italiens zu sein. Ländlich trifft es hierbei eigentlich nicht ganz. Einöde oder Mitten im Nirgendwo wären wohl treffender Begriffe, denn ausser Weintrauben und anderen Farmen war nichts, aber auch wirklich garnichts zu sehen.Öffentliche Verkehrsmittel völlig ausgeschlossen. Der aus einem größeren Supermarkt und mit unter 10 anderen Geschäften bestehende Ortskern, war rund 7 km entfernt. Essen für 1 Woche wurde gekauft und in  einem kleinen asiatischen Laden wurde sogar eine Internetquelle entdeckt…Wahnsinn!
Robinvale Massacre
Nach einem ansonsten unspektakulären Vormittag kamen am späten Nachmittag unsere Mitbewohner vom Arbeiten zurück. Es war ein langer Tag und über 10 Stunden Arbeit lagen hinter ihnen. Dementsprechend sahen sie auch aus. Nacheinander trotteten 14 völlig abgekämpfte Asiaten aus dem Reisebus. Ohne uns viel Beachtung zu schenken ging es im Haus routinemäßig zum Duschen und Abendessen vorbereiten. Als hätte jeder seinen Platz, schien keiner der 14 Leute dem anderen im Weg zu stehen und es schien klar wer als erstes die beiden verfügbaren Duschen betreten oder die 5 Herdplatten zum Kochen benutzen dürfte. Wir schlossen uns an und um 20 Uhr war das meiste Gewusel zu Ende und die meisten Leute verschwanden im Zimmer um sich die noch verbleibenden 8 Stunden Schlaf bis zum nächsten Aufstehen zu gönnen.
Unser Schlafsaal
Nächster Tag, 4 Uhr morgens: aufstehen! Etwas gerädert und nach einem Kräftefrühstück wurde gesammelt vor der Tür auf den Bus gewartet. Bei glasklarem Sternenhimmel gepaart mit für uns ungewohnter früher Kälte, preparierten sich die Leute mit Sonnencreme (30+, alles andere bringt gar nichts!) und Mosquitospray. Ansonsten war lange Kleidung, Hut und wenn vorhanden Moskitonetz angesagt. Um 5:20 und somit 20 Minuten zu spät (einiges scheint also noch von der italienischen Mentalität geblieben zu sein) fuhr schließlich ein Reisebus die Einfahrt herauf. 
Rob und Julia in unserer Küche
Einsteigen und die anstehende 1 stündige Hinfahrt zur Farm versuchen noch ein wenig zu schlafen. Bei der Olivenfarm angekommen musste dann abermals noch für eine halbe Stunde gewartet werden bis Sonnenaufgang, denn bei Dunkelheit darf man nicht arbeiten. Dann war es endlich soweit. Von einem unserer Mitbewohner wurden wir mit Heckenscheren bewaffnet und nach 5 minütiger Einweisung fanden wir uns in unserer Reihe von Olivenbäumen wieder. Der Job war denkbar einfach. Geh deine Reihe durch und schneide bei jedem Olivenbaum alle Äste ab, die unter der ersten Gabellung am Stamm wachsen. Für jeden großen Menschen ein Gräuel, denn man ist die ganze Zeit auf den Knien oder in der Hocke. 
Party mit unseren Mitbewohnern
Meine Eltern im Hinterkopf („Pass auf deinen Rücken auf Roland, mach einen graden Rücken und geh in die Knie“ ;-)) ging es in Zweierteams an die Arbeit und für einen Stundenlohn von 13 Dollar war es die ersten 2 Stunden echt in Ordnung. Um 10 Uhr gab es eine 10 minütige Pause („Smoko“ genannt), in der einen umherfahrende Kawasaki 4 Wheeler mit Wasser versorgten, welches man selbst mitbringen musste. Danach weiterarbeiten bis ca. 12:30..Lunchtime. Die Hälfte des Tages  geschafft, wurde uns dann doch langsam die Eintönigkeit des Jobs bewusst und die ersten Beschwerden im Rücken und in den Knien machten sich in der 30 minütigen Mittagspause bemerkbar. Naja gut, Augen zu und durch. Pünktlich nach 30 Minuten schrie eine rauchige Whiskey-Stimme in gebrochenem Englisch „Everybody work“.  Das war J.P., ein aus Malaysia stammender Supervisor, der durch sein bestechend unfreundliches Gesicht und die Stimme auffällt. Später nannten wir ihn unter uns nur noch „The Voice“.
Sonnenaufgang auf der Olivenfarm 
An unserem ersten Arbeitstag wurden so ziemlich genau 10 Stunden gearbeitet und nach der einstündigen Heimfahrt waren wir gegen 18:15 wieder im vertrauten Heim im Nirgendwo. Nun schlossen wir uns dem Trott unserer Mitbewohner an und reihten uns in die Schlange an den Herdplatten ein. Duschen und Essen vorbereiten für den nächsten Tag. Puh, ich hätte es nicht gedacht, wie kaputt man nach 10 Stunden körperlicher Arbeit ist. 
Den nächsten Tag kam Rob dazu und so gingen die nächsten Tage dahin. Obwohl man es während der Arbeit kaum noch aushielt, war man dann doch erstaunlich zufrieden, wenn man zu Hause ankam und das Abendessen genoss. Zusammen mit dem Gedanken des verdienten Geldes war es vor Allem der Wille das Ganze durchzuhalten der einen vorantrieb. Schließlich war Farmarbeit und im Speziellen körperliche Arbeit, eine Sache die ich während meines Aufenthalts ausprobieren wollte. Gut, das wäre abgehackt und um es kurz zu machen bin ich dann doch wieder sehr froh irgendwann in einem klimatisierten Büro zu sitzen bzw. eine Tätigkeit auszuüben bei der man sich nicht überlegen muss, wie man am besten seinen Rücken oder seine Knie entlastet.
Mittlerweile sind wir nach einer Woche in Red Cliffs (einem Nachbarort von Robinvale)  wieder in Robinvale gelandet und schuften im gewohnten Alltag auf der Olivenfarm. Wie es dazu kam bzw. was in Red Cliffs passierte, werde ich im nächsten Blog-Eintrag berichten. Wie beschrieben haben wir leider kein Internet im Haus und die einzige Möglichkeit etwas hochzuladen ist am Freitag während des 2 stündigen Einkaufsaufenthalt in der Stadt. Ich werde versuchen demnächst wieder up-to-date zu posten.

1 Kommentar:

  1. Booooring :)) Irgendwann wirst du nach Deutschland zurückkehren und Scharbeutz einen Besuch abstatten und sagen, "alter, hier steppt der bär, party wohin das auge reicht" ;D oh man vllt sollte ich an dieser stelle aufhören zu lesen und mich einfach überraschen lassen mit all dem was auf mich zukommen wird..

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