Donnerstag, 10. März 2011

„We can settle this outside“

Wolkenformationen in Robinvale

Nach knapp 1 ½ Wochen auf der Olivenfarm waren wir gezeichnet von harter körperlicher Arbeit. Kleine Wunden am ganzen Körper und schmerzende Gelenke bzw. Muskeln gehörten nunmehr genauso  zum Alltag, wie unzählige Moskitostiche. Die nervigen Blutsauger schienen resistent gegen Moskitospray und stachen sogar durch eine Kleidungsschicht durch. Speziell nach 2 regnerischen Tagen war die Situation mit den Mücken und Fliegen wirklich abartig. Wenn man nicht mal mehr in der Lage ist miteinander zu reden, ohne sich fürchten zu müssen, dass eine Fliege oder Mücke in seinem Mund landet, ist irgendwas nicht in Ordnung. So war der Freitag vor nunmehr zwei Wochen einer der schlimmsten Arbeitstage bis heute. Der Entschluss war schnell gefasst: ein anderes Working Hostel und ein besser bezahlter Job mussten her. Zum Glück war es Freitag und wir konnten uns abermals an der limitierten Internetverbingung in der Stadt leiben. Nach unzähligen ausgebuchten „Working Hostels“ wurden wir schließlich fündig und Red Cliffs International Student Accomodation hatte sowohl freie Betten, als auch Arbeit!
Rob beim Olive-Pruning
130 Dollar pro Woche für die Unterkunft, freies Internet in der Nähe und für den Transport zu den Farmen sei auch gesorgt. Es hörte sich auf den ersten Blick super an. Kurzerhand kündigten wir den Olivenfarm-Job und nach einer 1 stündigen Busfahrt kamen wir am Sonntag in Mildura an. Von hier sollten wir von dem Hostelbesitzer abgeholt und nach Red Cliffs gefahren werden. Natürlich war auch nach 30 minütigem Warten noch Niemand in Sicht. Ein Anruf klärte die Mysterie und die meine australische Lieblingsausrede „I was busy“ fand abermals ihre Anwendung von Vicky, dem indischen Hostelbesitzer. Insgesmamt rund 1 ½ Stunden nach Ankunft in Mildura kam Vicky dann tatsächlich in einem Van und brachte uns mit säuselnder, leicht bekifft anhörender Stimme auf den neuesten Stand. „Where you guys from?“ „So you want to work?“ und das wars dann auch. Danach wurde das Radio aufgedreht und bei lauter Eminem Mucke nach Red Cliffs gefahren. Dort angekommen wurden wir von dem Ort positiv überrrascht. 2 Supermärkte direkt um die Ecke, Bücherei mit kostenlosem Internet..also alles was das Backpackerherz begeehrt. Das Hostel bestoch jedoch zuerst einmal durch knallharte Regeln, die unterschrieben werden mussten. Besonders die Regeln: „Kein Alkohol ausser  Freitags und Samstags abends“ und „Kein Alkohol auf den Zimmern“ ließen den Eindruck eines strikten Hostels erhärten. Wir beschlossen den mitgebrachten Wein in unseren Taschen nicht zu erwähnen und bezahlten die 130 Dollar für die erste Woche im Vorraus. Jeder von uns erhielt einen Korb mit Geschirr und Besteck und dann ging es in unser Zimmer. Das Hostel war ein altes Krankenhaus und glich zunächst einem Labyrinth. Es ging vorbei an einigen Fernsehzimmern und an der Küche, wo gegenüber einige Bierzelt-Garnituren im Innenhof zum Essen einluden. Was sich hier so idyllisch anhört, war eigentlich das komplette Gegenteil, denn es war überall versifft und dreckig. Auf den Bierzelt-Garnituren waren offensichtlich betrunkene Hostelmitbewohner und tranken. Moment mal, hatten wir nicht grad eine Regel unterschrieben, die Alkoholkonsum am Sonntag und generell während des Tages untersagt?
Fun-Times at the Busstop in Robinvale
Naja gut, erstmal das Zimmer angucken. Dort angekommen erwartete uns ein verwüsteter 8er Dorm, in dem offensichtlich noch 4 andere Personen wohnten. Auf dem Boden sitzend begrüßte uns ein vollkommen besoffener Typ, der sich mit Mühe aufrichtete und irgendwas Unverständliches lallte. Ursprünglich dachten wir (einschließlich Rob), dass er aus Ost-Europa käme und irgendwas tschechisches reden würde. Im Nachhinein kam er aus Wales und sprach Englisch mit uns. Auf dem anderen Bett lag eine Frau, die offensichtlich ähnlich betrunken war und sich nicht rührte. Auf der Türschwelle zu unserem Klo hatte sich vor Kurzem jemand übergeben und ein Eimer mit ebenfalls stinkendem Mageninhalt stand daneben. Vicky schien von dem Ganzen unbeeindruckt und wirkte auf den zweiten Blick auch ein wenig angetrunken. Von dem ersten Schock erholt, packten wir unsere Sachen aus und getrieben von unserem Hunger ging es Richtung Supermarkt. Rico und Bene, 2 Deutsche die ebenfalls mit uns gingen und schon länger in dem Hostel wohnten, klärten uns über die Gesamtsituation auf. In der Küche am besten keine Sachen lassen, die nicht unbedingt in den Kühlschrank müssen, denn Essen wird schon mal geklaut. Nicht die Schließfächer auf dem Gang benutzen, denn da gibt es keine Überwachungskamera. Ach du Scheisse, wo sind wir denn hier gelandet? Überhaupt seien die Mitbewohner in unserem Zimmer, die schlimmsten in dem ganzen Hostel und haben sich die letzten Tage wohl nur sturzbetrunken. Zurück im Hostel fragten wir Vicky, ob es nicht möglich sei das Zimmer zu wechseln, denn überall waren noch freie Zimmer zu sehen. Dieser fuhr sich durch die Haare und guckte mit seinem Schlafzimmerblick in die Gegend. Dann wurde er abgelenkt, denn ein Ire kam aufgebracht aus der Küche und meinte, dass er in den letzten 2 Tagen hier mehrmals verprügelt worden sei und er deshalb nicht für seinen Aufenthalt bezahlen wollte. Das schien Vicky nicht zu gefallen und er behaarte darauf, dass dieser bezahlen müsse. Schließlich provozierte Vicky und meinte „We can settle this outside right now, if you want“ und der Ire entgegnete “yeah im gonna get my boys”. 
Lockere 1 1/2 Stunden warten in Mildura
Damit ließ Vicky uns alleine und beide gingen raus, offensichtlich um sich zu prügeln. Mann Mann Mann, sowas hab ich noch nicht gesehen. Die ersten Eindrücke waren geradezu so positiv, dass man gleich wieder abhauen wollte. Im Nachhinein war Robinvale dann doch nicht so schlecht ging es durch unsere Köpfe.
Das einzig Gute, was man dem Hostel und Vicky im Nachhinein lassen muss, ist das wir gleich am nächsten Tag Arbeit hatten. Um 6 Uhr morgens ging es in dem Hostelvan zu einer Feigenfarm. Feige heisst auf Englisch Fig, was zu einiger Belustigung unter den Deutschen in dem Hostel führte. „Ey gehst du morgen arbeiten?“ „Jo ich bin auf der Figfarm“! Wie dem auch sei..Bei der Feigenfarm angekommen, mussten wir uns zunächst in 2er Gruppen aufteilen und uns eintragen. Danach zeigte uns der Supervisor die richtige Technik zum Feigenpflücken und klärte uns über unsere Bezahlung auf. Es wurden 3,50 Dollar pro Box gepflückter Feigen bezahlt. Jede Gruppe bekam eine Handvoll Post-Ist, wo deren Namen drauf geschrieben werden mussten. Hatte man eine Box reifer Feigen gepflückt, tat man sein Post-It hinein, schloss die Box und plazierte sie neben die Feigenpflanzen, damit sie aufgesammelt werden sollten. Pflückt man unreife oder beschädigte Feigen wird man nicht bezahlt. Fairerweise teilte er uns mit, dass in den nächsten Tagen nicht viel Geld mit dem Pflücken zu verdienen sei, da viele Feigen noch nicht reif seien aufgrund des zurückliegenden Regens. Am Wochenende sollte es jedoch deutlich besser sein und bis zu 30 Boxen am Tag seien aus seiner Sicht möglich.
Ja gut, dann mal los. Schnell wurde klar, dass 30 Boxen völlig übertrieben waren. Am ersten Tag schafften wir es gerade einmal 12 Boxen zu sammeln und wir wurden nach 6 Stunden Arbeit nach Hause geschickt, denn es waren keine reifen Feigen mehr zu finden. Der Job war relativ einfach. Man musste lediglich darauf achten die Feigen mit Stängel abzureissen (was echt nicht einfach war bei einigen) und nur die reifen Feigen zu pflücken. Der Fruchtsaft, der aus den Stängel austrat, war ziemlich aggressiv und ohne Handschuhe nach einer Weile ziemlich schmerzhaft, aber ansonsten ist Feigen-Pflücken eine sehr viel weniger körperlich anstrengende Arbeit als Olive-Pruning. Auf dem Heimweg wurde ausgerechnet, dass das verdiente Geld gerade mal für Unterkunft, Transport und Verpflegung ausreichte und wir eigentlich Nichts sparen würden. Naja gut, vielleicht wird es ja die nächsten Tage besser dachten wir  uns. Ach ja mir fällt gerade ein, dass am ersten Tag nur die Feigen-Pflücker um 15 Uhr Schluss hatten. Unglücklicherweise war unser Fahrer aber nicht unter den Feigen-Pflückern und wir mussten noch bis ca. 17:30 warten um schließlich zum Hostel zu kommen. Gut, das wäre auch erwähnt und insgesamt war es also kein grandioser erster Tag.
Reife und unreife Feigen
Leider wurde es aber auch die nächsten Tage nicht viel besser mit den Feigen. Zwar wurden wir ein wenig schneller im Pflücken und man hatte einen Blick dafür welche Feigen reif sind und welche nicht, aber das änderte Nichts daran, dass nach 4 Stunden Arbeit, die gesamte Farm abgepflückt war. So taumelten unsere Boxenanzahlen im Schnitt um die 10 pro Tag. Einmal wurden wir sogar schon um 10 wieder nach Hause geschickt, weil irgendwelche Trottel nur unreife, grüne Feigen gesammelt haben („Go for the banana yellow“ ). Kurzerhand wurde uns klar, dass wir in Red Cliffs und auf der Feigen Farm nicht viel Geld verdienen bzw. sparen können. Hrm was nun? Wir beschlossen einen Tag nach Mildura (die nächst größere Stadt in der Nähe) zu fahren und direkt bei den Hostels nach Jobs zu fragen. Gesagt getan! Nach einer kleinen Arbeitsklamotten-Shoppingspree besuchten wir einige Hostels und wurden wie erwartet von den meisten abgewimmelt. Eins klang vielversprechend und meinte es würde nur stündlich bezahlte Jobs vermitteln und würde uns anrufen, wenn es was gäbe. Ansonsten haben wir uns an dem Tag unser erstes Auto angeguckt, was „For Sale“ war (der Plan ist nämlich ein Auto zu kaufen und damit die Great Ocean Road und über Adelaide nach Perth zu fahren). Ein Ford Falcon Kombi, der von 2 Engländerinnen verkauft wurde. An sich war das Auto gut in Schuss und hatte genug Platz für uns, jedoch war es mit 300.000 km und für 3200 Dollar, dann doch etwas überteuert und wir beschlossen nicht gleich das erste Auto zu kaufen, was wir uns anguckten.
Auf der Figg-Farm (Supervisor ahead)
Zurück im Hostel wurde alsbald die schwierige Entscheidung gefällt, wieder nach Robinvale zurückzukehren. Hier hatte man schließlich Sicherheit, dass nichts geklaut wird und immerhin hatten wir dort die Möglichkeit bis zu 10 Stunden am Tag zu arbeiten und somit Geld zu verdienen. Im anbetracht auf die Arbeit waren wir alle nicht wirklich erfreut wieder nach Robinvale zurückzufahren, aber es ist ja nur für eine kurze Dauer und jetzt sind wir mittlerweile schon wieder 1 ½ Wochen hier und haben immerhin schon 800 dollar verdient. Inzwischen haben sich Rico und David (2 Deutsche, die wir in Red Cliffs getroffen haben) der Olivenfarm-Arbeit angeschlossen und zusammen bewohnen wir abermals das italienische Familienhaus im Nirgendwo! Die Arbeit auf der Olivenfarm soll in den nächsten Tagen abgeschlossen sein und falls wir keinen neuen Job finden sollten, brechen wir dann schon übermorgen Richtung Melbourne auf um dann ein Auto zu kaufen. Über einige Ereignisse in Robinvale in der letzten Woche zusammen mit weiteren interessanten Auto-Erfahrungen werde ich dann im nächsten Post berichten…From Rags To Riches in Robinvale….stay tuned

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