Samstag, 16. April 2011

Perthecto!

Margaret River (300m von unserem Hostel)

So Kinder, wo waren wir? Wo sind wir? Und überhaupt? Die zweite Frage werde ich diesmal am Anfang des Blogposts beantworten um nicht immer dem alten Trott zu folgen.
Mittlerweile sind wir in Boyup Brook auf einer Vieh-Farm angekommen, wo wir nun bereits seit 5 Tagen arbeiten. In Boyup Brook (der Ort zählt immerhin 500 Einwohner) ist eigentlich falsch, denn die Farm liegt 9 km außerhalb jeglicher Zivilisation. Der Abstand zu der nächsten Ortschaft wird aber auch benötigt, denn die Farm ist wirklich riesig. Leider habe ich die genaue Größe vergessen, aber egal wo man hinschaut sieht man weit und breit nur Ländereien von den Besitzern. Zu unser Unterkunft, einem kleinem Haus („Shearers Quarters“), direkt neben unserem Arbeitsplatz und damit  unmittelbar neben den Kühen, fährt man von der Hauptstraße auf dem Grundstück gute 5 km! In unserem bescheidenen und vor Allem sehr dreckigen Schlafdomizil sind neben uns noch Rob, ein weiterer Engländer, und Adrian, ein französischer Mechaniker untergebracht. Beide arbeiten mit uns auf der Farm. Arbeiten auf einer Vieh-Farm. Ich zumindestens hatte keinerlei Vorstellung, was ich mir darunter vorstellen sollte, aber sollte positiv überrascht werden. Neben allerlei mechanischen Reparaturen an großen Maschinen (diese Woche wurde der Seeder fertig gemacht) sind es insbesondere kleinere Aufgaben, wie Trog und Futternapf sauber machen, ausgebrochene Kühe wieder zurückbringen und Zäune reparieren, die von uns erledigt werden. Auf der riesigen Farm mit kleinen Quads herum zu heizen ist auf jeden Fall ne super Sache und gegenüber zu unseren Olivenbaumerfahrungen in Robinvale erstmal besser bezahlt und sehr viel weniger anstrengend. Aber gut, über unsere Zeit auf der Viehfarm werde ich dann demnächst weiter berichten. Nun ein kleiner Sprung in die Vergangenheit, zurück an die Küste ins Surfparadies Margaret River, wo wir vor gut 1 ½ Wochen eintrafen.
Margaret River
Wie bereits beschrieben, haben wir uns abermals für ein Hostel am Strand entschieden. Der Surfpoint Resort, war ein ausserordentlich schönes und gepflegtes Hostel, wo neben Big Screen TV und Billard-Tisch auch die Küche durch eine saubere Austattung überzeugte. Nach einer anstrengenden Fahrt, buchten wir uns am Abend ein und gingen ziemlich direkt zu Bett um am nächsten Morgen ausgeruht zu sein.
Dieser war leider durch nicht allzu gutes Wetter geprägt und der Plan surfen zu gehen wurde durch heftige Böen und Regen durchkreuzt. Dennoch wagten wir einen Spaziergang zum nahegelegenen Strand und verschafften uns einen Eindruck, warum Margaret River so beliebt zum Surfen ist. Lange und langsam brechende Wellen waren dort zu beobachten, auf denen leider keiner surfte, weil es das Wetter nicht erlaubte. Nach kurzem Aufenthalt ging es zum Einkaufen ins kleine Zentrum der Stadt. Das maßgeblich durch eine Hauptstraße geprägte Innere von Margaret River gefiel uns sehr und machte einen gemütlichen, relaxten Eindruck. Wir kauften das Nötigste ein und dann ging es bei Regen wieder zurück ins Hostel, wo auch der Rest des Tages entspannt rumgebracht wurde (NBA gucken auf dem riesigen Fernseher, Schlafen und abends nochmal nen Film gucken mit Julia und Rob). Leider war Petrus uns auch am nächsten Morgen nicht gut gesonnen und das Wetter ließ kein Austesten der Wellen zu. So wurde kurzerhand der Entschluss gefasst nach Perth zu fahren. Gesagt, getan. Die rund 200 km nördlich gelegene Hauptstadt West-Australiens und außerdem die 2. sonnigste Stadt auf der Welt war schon bei der Einfahrt überaus schön und auch das Wetter wurde schlagartig besser.
Das sind die wahren Surfer...hepp!
Leider brachte die Größe dieser Stadt auch ein nicht unbedeutendes Problem mit sich. Einen Parkplatz zu finden war zwar kein Problem, aber einen kostenlosen und auch noch für mehrere Tage durchaus. So checkten wir zuerst in unser Hostel (1201 East Backpackers, Hay St) ein, brachten unsere Sachen aufs Zimmer und fuhren dann Richtung Norden um in einem anderen Stadtteil nach einem Parkplatz zu suchen. Die zentrale Lage unseres Hostels war zwar klasse um zu Fuß ins Stadtzentrum zu laufen, leider war dadurch aber auch die Distanz zu unserem kostenlosen Parkplatz relativ groß. Hinter dem Hyde Park wurden wir schließlich fündig und marschierten wieder zurück Richtung Innenstadt. Bei unserem Spaziergang durch Northbridge, dem Nightlife-Viertel in Perth, und schließlich durch das Zentrum, gefiel mir besonders, das trotz der Größe der Stadt, diese einen gemütlichen und überschaubaren Charakter vermittelt. Nach einem kurzen Einkauf bei Woolworths waren wir ausgerüstet und auf einen Abend zum Weggehen vorbereitet. Im Hostel, in dem ausdrücklich eigener Alkohol nicht verzehrt werden durfte, trotzten wir den Regeln und genossen billigsten Wein. Nach einer Partie Billard, wo Julia mit Bravour ihre Künste zur Schau stellte („Hoppla, huch….hups der ging ja rein..hihi“), und einem interessanten Gespräch mit einem unserer Zimmermitbewohner, der auch aus Texas kam und in der Nähe von meiner Gastfamilie gewohnt hat, waren wir relativ müde aber wollten dennoch nochmal rausgehen. Hierbei trafen wir an der nächstgelegenen Kreuzung auf eine Gruppe Studenten (aus Wroclav), die ihren Weg nach Hause bahnten und uns erzählten, dass man wohl gute 20 Minuten zum nächsten Club gehen würde und dieser rund 10-20 Dollar Eintritt kosten solle. Naja, um es kurz zu machen, waren wir an diesem Abend zu müde um den Weg auf uns zu nehmen und wollten es am nächsten Tag nachholen.
Julia und Rob beim Surfen
Nächster Tag und Perth lockte mit purem Sonnenschein uns aus unseren Betten. Der langersehnte Wunsch Surfen zu gehen wurde in die Tat umgesetzt und Bretter am Scarborough Beach ausgeliehen. Die Bedingungen waren zwar nicht optimal und die Wellen brachen sehr nahe am Strand, aber es hat völlig ausgereicht um mir zu vermitteln, dass ich nach 4 Jahren Surfpause doch etwas mehr Praxiserfahrung benötige um cool auf den Wellen zu reiten. So verbrachte ich die meiste Zeit entweder wartend und sitzend auf dem Surfboard (durch den Wind war es wirklich ziemlich kalt ohne Wetsuit) oder Salzwasser-spuckend unter diesem. Nichtsdestotrotz hatten wir eine Menge Spaß und bei einem schönen Sonnenuntergang und Dinner am Strand ging auch unser zweiter Tag in Perth zu Ende (am Abend war wir alle komplett erledigt von dem Surftag und guckten nur noch einen Film auf dem Fernseher im Keller).
Da das Geld nun doch langsam knapp wurde nach gut einem Monat reisen und Autokauf, hielten wir am nächsten Tag die Augen offen und wollten nach einem Job suchen. Zu diesem Zweck gingen wir in die Bibliothek im Cultural Center, die uns mit Internet versorgte. Leider wollte uns die Arbeitswelt noch nicht so richtig wiederhaben und sämtliche Workinghostels nahmen entweder nicht ab oder hatten keine Arbeit oder waren ausgebucht. Bei den Farmen, die wir direkt anriefen, dasselbe Spiel. 
Surfers Paradise in Perth
Nach 3-4 Stunden in der Bibliothek (wo sich ein älterer Mann an einem öffentlichen PC Nacktbilder angeguckt hat, mann mann mann, echt eklig!) packte uns ein ausgiebiges Hungergefühl und wir gingen zurück zum Hostel um zu speisen. Witzig, weil wir feststellten, dass wir alle immer richtig schlecht gelaunt sind, wenn wir großen Hunger haben (kein Wort gewechselt auf dem Rückweg und allen ist es egal, was es zu Essen gibt, Hauptsache essen). Nach dem Essen und einer kleinen Rast machte ich mich auf den Weg zu einem Basketballplatz im Osten der Stadt. Mit kleinen Hoffnungen überhaupt jemanden anzutreffen wurde ich von einer kleinen Horde Asiaten und einigen Australiern überrascht. Nach einem triumphierenden 3 vs 3 Match kam plötzlich noch jemand anderes auf unsere Seite des Courts und fragte ob er und ein paar andere mitspielen könnten. Er kam mir auf Anhieb bekannt vor und ich dachte zuerst, dass ich ihn aus Texas kannte. Auf Nachfrage verneinte er dieses und es stellte sich heraus, dass er aus Deutschland kam. Im Laufe des Spiels fiel es mir wieder ein und ich kannte ihn aus Dresden, wo ich 3 oder 4 mal mit ihm auf dem Freiplatz Basketball gespielt hatte. Ein krasser Zufall und total witzig ihn am anderen Ende der Welt auf einem Basketballplatz, den ich durch Zufall gewählt hatte, wieder zu treffen. Nummern wurden ausgetauscht und am Abend traf man sich auf ein Bierchen im „The Shed“. Ein cooler Abend und ich bin mir sicher, dass wir uns nach unserem Arbeitsaufenthalt noch einmal in Perth wiedersehen.
Sonnenuntergang in Perth

Am nächsten Morgen mussten wir aus unserem Hostel auschecken und suchten nach einem Campingplatz, der die Kosten für die Unterkunft etwas herunterschraubte. Nach einigem Suchen verschlug es uns nach Fremantle Village, wo wir durch geschicktes Verhandeln (ich blieb im Auto und Rob und Julia vermittelten an der Rezeption den Eindruck sie seien nur zu zweit) den Preis auf insgesamt 33 Dollar pro Nacht drückten. Am Nachmittag geschah dann das Unerwartete. Neben einigen Absagen von Farmen, wo wir uns beworben hatten, flatterte plötzlich eine Zusage in Robs E-Mail Account. Wir hatten uns auf eine Anzeige bei gumtree beworben, die schon 250 mal aufgerufen und somit ziemlich aussichtslos erschien. Ausgerechnet der Herausgeber dieser Anzeige antwortete nun, dass sie so schnell wie möglich neue Arbeiter suchten. 150 Dollar pro Tag, Unterkunft umsonst und auf der Farm, eigener Transport essentiell. Dies waren die ersten Infos, die wir bekamen. Leider suchten sie nur nach 2 Männern und so fragten wir nach, ob sie nicht auch was für Julia hätten. Emma, die Herausgeberin der Anzeige, antwortete prompt und fragte ob Julia bereit sei als Babysitterin zu arbeiten. Natürlich war sie das und so schließt sich der Kreis und wir machten uns am nächsten Morgen auf den Weg nach Boyup Brook…..

1 Kommentar:

  1. Junge, Junge, schöner Bericht Roland!! Und sehr ausführlich. Ihr seid schon ne heiße Beach-Truppe ;) Keep farming...

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