![]() |
| Arbeitsklamottenbrand |
Der Tag des Aufbruchs war gemütlich geplant und wir nutzten den Vortag um die meisten Sachen im Auto zu verstauen und Sonstiges zu organisieren. Bloß keinen Stress war die Devise, denn schließlich war man ab jetzt im Urlaub. So richtig konnten wir es am letzten Montag nicht begreifen, und wachten wir gewohnt gegen 7 Uhr auf der Viehfarm auf. Nach einem gemütlichen Frühstück wurden in feierlicher Zeremonie unsere Arbeitsklamotten verbrannt. Ein magischer Moment, bei dem uns vor Allem überraschte, wie schnell und gut Jeans anfangen zu brennen (Qualität macht hierbei keinen Unterschied..ja, ich weiss…glaubt man nicht). Naja und während wir da so besinnlich ins Feuer guckten und uns seelisch auf den bevorstehenden Trip vorbereiteten, brauste Emma mit Tom zu unserem Haus und klärte uns mit ihrer gewohnt quirligen und unruhigen Art darüber auf, dass in 1 Stunde eine neue Arbeiterin ins Haus einziehen würde. „Der Schreibtisch muss in ihr Zimmer…..im anderen Haus ist ein Ofen, der müsste nun hier rein…könntet ihr den holen? und anschließen?“…klar Emma. Super gerne. Mit viel Chemie wurde das Haus halbwegs sauber gemacht, die komplette Küche auf den Kopf gestellt und der gemütliche Teil des Morgens war zu Ende. Obwohl wir gerne vorher über die Hektik Bescheid gewusst hätten, verzogen wir keine Miene, denn Emma füllte am Vortag unsere „2nd Year Visa“-Forms überaus gutmütig aus. So hat sie uns bescheinigt, dass wir insgesamt 10 Tage länger dort gearbeitet hatten, was dann zusammen mit den anderen Arbeitstagen aus Robinvale genug ist um unser 2nd Year Visa zu beantragen (88 Arbeitstage sind dafür notwendig). Keiner von uns weiss, ob er es jemals benutzen wird, aber trotzdem ist es nett die Möglichkeit zu haben, noch einmal für ein Jahr nach Australien zu kommen. Obendrauf verfasste Emma einen Brief, der bestätigt, dass ich zur Zeit auf ihrer Farm lebe. Das war für uns sehr wichtig, denn schließlich kann man in Australien ein Auto nur in einem Staat registrieren lassen, wenn in letzterem auch wohnhaft ist.
![]() |
| C U later Glenview Farm! |
Da unsere Zulassung (registration) in Victoria Ende des Monats ausläuft, wollten wir es in Western Australia registrieren lassen, wozu es natürlich erst einmal repariert werden musste. Aber dazu später. Wir brachten die morgentliche Unruhe hinter uns, füllten unser Auto mit Farmbenzin auf und brausten los. Ein Gefühl von Freiheit.
Auf dem Weg nach Perth machten wir bei einigen Schrottplätzen halt um nach Rückspiegeln und Kotflügeln Ausschau zu halten. In Bunbury wurden wir alsbald fündig und ersetzten unseren kaputten Rückspiegel durch einen gebrauchten für 40 Dollar. Einen Kotflügel hatten sie leider nicht mehr in unserer Farbe, aber die Hoffnung in Perth einen zu finden bestand. Nach knappen 3 Stunden erreichten wir am frühen Abend unser Ziel und checkten ins „Britannia on Williams“ in Northbridge (dem Kneipenviertel in Perth) ein. Was sich so royal anhört, war ein sauberes und für Perth sehr zu empfehlendes Hostel. Sehr zentral gelegen, nette Leute, keine Randale am Abend und das Ganze für 27 Dollar pro Nacht im 3er Zimmer. Klappe zu, erster Urlaubstag endete mit tiefem Schlaf.
![]() |
| Der Schrottplatzengel |
Am nächsten Tag sollte ein Kotflügel gefunden werden. Wir suchten die nahegelegensten Schrottplätze heraus und versuchten sie per Telefon zu erreichen. Diejenigen, die wir erreichten, hatten entweder gar keinen Kotflügel (auf englisch entweder guard, wing oder fender, aber nicht panel!) oder nur einen in einer anderen Farbe. Der Gedanke eines roten Kotflügels an einem ansonsten dunkelgrünen Auto gefiel uns nicht und wir beschlossen, die nicht per Telefon erreichbaren Schrottplätze direkt anzufahren. Auch auf dieser Odyssee hatten wir zunächst kein Glück. Entweder existierten die Schrottplätze nicht mehr oder sie hatten nicht die richtige Farbe. Nach gefühlten 100 Schrottplätzen und kurz vor der Verzweiflung, geschah dann doch das Unmögliche. Der Arbeiter auf einem Schrottplatz erkannte unsere Farbe sofort (botanical blue) und brachte einen identischen Kotflügel aus dem Lager. Wir hätten ihn mit Küssen überhäufen können, denn für 80 Dollar war das Ganze ein Schnäppchen.
![]() |
| Selbst ist der Backpacker: Austauschen des Kotflügels |
Soweit so gut. Und jetzt? Wie bekommen wir das blöde Ding angebracht? Der Arbeiter von dem Schrottplatz klärte uns über die Preise auf und erzählte, dass eine Werkstatt so um die 150 Dollar für die Montage nehmen würde. Er empfiehl uns es selbst zu probieren. Hrm, ok…wir denken darüber nach. Erstmal Mittag essen. Mit gefüllten Mägen beschlossen wir den Kotflügel selbst zu wechseln. Nur wie? Wir hatten nicht einmal einen Schraubenzieher, abgesehen von unseren Taschenmessern überhaupt kein Werkzeug. Also zurück zu unserem Freund von dem Schrottplatz und nach Werkzeug fragen. Dieser konnte uns zwar kein Werkzeug leihen, aber er lockerte alle besonders festen Schrauben mit special tools. Desweiteren erklärte er uns, wie man an die anderen Schrauben herankommt und markierte sie auf dem kaputten Flügel. Schnell wurden bei autopro ein paar Schraubenzieher und Schraubschlüssel gekauft (30 Dollar) und wir machten uns direkt auf dem Parkplatz ans Werk. Backpacker Mechaniker ist kein Traumjob, aber wir waren stolz wie Oskar als wir es geschafft hatten unseren Kotflügel auszuwechseln. Ein gutes Gefühl und wir bedankten uns bei unserem Schrottplatzengel mit einem 6-Pack XXXX Gold.
![]() |
| O.P.'s Tavern Action |
Nun stand das nächste Problem bevor. Wie schon berichtet lief unsere Registrierung des Autos Ende des Monats aus und wir wollten das Auto neu in Western Australia für ein halbes Jahr registrieren lassen. Dies ist nun leider nur mit einer vorherigen Inspektion (Examination) verbunden, bei der alle Mängel des Autos aus dem Weg geräumt werden müssen. Nachdem die meisten Service Centres erst in der nächsten Woche Termine für eine Inspektion hätten, war unsere einzige Chance ein Centre, welches Termine nach dem Schema „Wer zuerst kommt, malt zuerst“ vergibt. Dieses öffnete am nächsten Morgen um 7:30 Uhr und so machten sich 3 müde Backpacker um 6:45 Uhr auf den Weg. Wir zitterten und bangten, als der Inspektions Mensch um unser Auto kreiste und befürchteten das Schlimmste (unser Schrottplatzfreund meinte, dass auf jeden Fall die „engine mounts“ ausgewechselt werde müssten und das würde dann so um die 500 Dollar kosten). Nach ungefähr 30 Minuten stand das Urteil fest und unser Baby hatte bestanden. 89 Dollar war alles was wir für die Inspektion bezahlen mussten und keine Reparaturen waren fällig. Wir konnten unser Glück kaum fassen und nach einem kurzem Besuch im Registration Centre und weiteren 300 Dollarn ist unser Holden jetzt in Western Australia registriert. Whoop Whoop.
Unser Erfolg sollte am Abend natürlich gefeiert werden und wir schlossen uns der Hostel-Gruppe an, die mit einem organisiertem BusShuttle an den Scarborough Beach ins O.P. pilgerte. Mit Diskobeleuchtung und ordentlich Unz Unz cruisten wir durch die City, und obwohl es erst 20 Uhr war, war die Stimmung ausgelassen und machte Spaß. Leider war in dem Club nicht besonders viel los. Besonders viel ist auch noch untertrieben, denn neben den rund 20 Leuten aus dem Hostel waren dort vielleicht noch 7 andere. Wir ließen uns dennoch den Spaß nicht verderben und bei Pitcherpreisen von 10 Dollarn ließen wir es uns gutgehen.
![]() |
| Perth, meine Perle des Westens |
Die nächsten und letzten Tage waren durch übermäßige Shopping-Touren (enttäuschend, dass in Perth keine Jeans mit einer Länge 35 oder länger zu finden ist…australische Zwerge) und einem Besuch des Kings Parks geprägt. Unser erster Eindruck von Perth bestätigte sich auch bei unserem 2. Besuch. Für mich bisher meine Lieblingsstadt in Australien. Am letzten Abend traf ich mich abermals mit Steve, den ich bei meinem letzten Besuch in Perth auf den Streetball-Platz getroffen hatte. Nach verpassten Zug nach Leederville endeten wir schließlich im Mustang und es war ein klasse Abend, der nach einer Wiederholung schreit.
So verließen wir Perth gestern und schreiten mit großen Schritten gen Norden. Gestern besichtigten wir auf dem Weg nach Geraldton die Pinnacles Desert, eine Wüste mit unzähligen Stein-Stalakmiten. Beeindruckend und sagenhaft, wie man plötzlich inmitten einer grünen Küstenlandschaft eine steinige Sandwüste findet. ![]() |
| Pinnacles Desert! |











