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| Pesticide-Jumper! |
Mann, mann mann schreibt er überhaupt noch seinen Blog? Ewigkeiten nichts gehört. Wo isser hin?
Naja weit bin ich noch nicht gekommen, seit dem letzten Blog-Update. Schließlich sind wir nach nunmehr 5 Wochen nach wie vor auf der Viehfarm und arbeiten. Die tägliche Arbeitsroutine ist letztlich auch der Grund für meine lange Blogabstinenz, denn es passiert einfach herzlich wenig! So ganz stimmt das natürlich nicht und damit ihr ein besseres Bild von einem Arbeitstag bekommt, und ich nicht alles vergesse, habe ich mir überlegt einfach mal zu beschreiben, wie so ein typischer Tagesablauf für uns aussieht.
Starten tut unser Tag gewöhnlich um 6:30 Uhr in der Früh. Eingepackt in Fleece-Pullies und dicken Strümpfen (es ist mittlerweile in der Nacht wirklich sehr kalt) kriecht jeder aus seinem Zimmer Richtung Küche um das Frühstück vorzubereiten. Letzteres besteht aus Früchten (meistens Äpfel, Birnen und Orangen (Bananen sind seit den Fluten in Queensland zu teuer)) mit Joghurt, Haferflocken und Erdnüssen. Gepaart mit leckerem Kaffee (dank Adrien sind wir jetzt in Besitz einer Cafetiera und tauschen geschmacklosen Instantkaffee gegen leckeren Espresso) und Rosinentoast wird sich so auf den Tag vorbereitet. Um 7:25 Uhr wird dann die Arbeitsrobe angezogen, sich mit Sonnencreme eingeschmiert und anschließend sich auf den Weg zur Scheune (dem Main Workshop) gemacht. Dort warten Milton (der Farmeigentümer) und seine dauerhaften Arbeiter meistens schon auf uns. An dieser Stelle möchte ich kurz etwas genauer auf unsere Mitarbeiter eingehen.
Milton Moore ist stolzer Vater von 6 Söhnen, die alle mit ihm und seiner Frau Emma auf der Glenview Farm leben. Die meisten der Söhne geniessen das Farmleben und möchten wohl später die Viehzucht übernehmen. Von den Söhnen kriegen wir am meisten von Tom und Jonathan mit. Jonathan ist 15 und fährt immer den Traktor mit dem Futteranhänger. Zur Zeit wurde er aus diesem Grund sogar von der Schule befreit, da alle anderen Arbeiter mit dem Sähen beschäftigt sind. Ja und Tom ist ganze 10 Jahre alt und lässt uns in Sachen Farmarbeit erblassen. Egal wie groß der Traktor oder sogar Truck ist, der 10 Jährige fährt ihn und weiss was zu tun ist. Ein kleiner, ganz Großer…mann mann mann.
Aber zurück zu Milton. Getrieben von Sarkasmus lässt der Boss es schon manchmal raushängen, dass er hier das Sagen hat und vor seinen anderen Arbeitern scheint es dazu zu gehören, manchmal Witze über das Unwissen der Backpacker zu machen. Er ist ein netter Kerl, aber in Sachen Vorausdenken und Arbeitermanagement nun doch nicht ganz auf dem neuesten Stand. So kommt es oft vor, dass wir erst eine Sache erledigen und dann im Nachhinein doch alles noch einmal umwerfen müssen. Nun gut, soweit zu Milton.
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| Billardtisch in der alten Schäferscheune |
Seine Frau Emma ist die einzige Frau auf der Farm und mann kann sich vorstellen, dass sie ne harte Zeit mit 6 Söhnen hat, die alle so sein wollen wie ihr Vater. Sie ist die gute Seele und obwohl sie oft ein wenig zerstreut, unruhig und gestresst wirkt schafft sie es dann doch noch alles zu erledigen. Es ist schwer mit ihr zu reden, denn es wirkt immer so, als hätte sie gerade etwas unglaublich wichtiges zu erledigen und 1000 andere Dinge im Kopf.
Nun zu den anderen dauerhaften Arbeitern. Der längste Mitarbeiter von Milton ist Julian. Ursprünglich aus Neuseeland stammend machte der bierbäuchige,rauchende, mitte 30 Jährige zuerst einen sehr arroganten und unsympathischen Eindruck auf mich. 100 prozentig hat sich dieser Eindruck zwar nicht bestätigt, aber besonders helle und sympathisch ist er wirklich nicht. Egal, was es ist, Julian weiss die Antwort zu allen Fragen, obwohl er keine Ahnung hat. Wenn er im Nachhinein feststellt, dass er doch falsch gelegen hat, dann kommt immer so was wie: “ Äh well, yeah but last year it was definitely that way“. Jaja, genau Julian. Ansonsten hat der homophobe Julian ein paar super Witze parat, wie zum Beispiel : „Is your fridge running?.....Well you better go catch it…hahaha“..
Der zweite von insgesamt nun 4 dauerhaften Mitarbeitern ist Damon. Damon ist 22 Jahre alt und ist mit Tasha (31 Jahre) verheiratet. Die beiden haben jüngst ihr 2. Kind bekommen und Tasha brachte aus vorheriger Ehe schon 2 mit..yippi. Die beiden leben in einem Haus, was auf einer anderen Farm, die ebenfalls Milton gehört. Rauschebart Damon scheint relativ schüchtern, möchte aber gerne der toughe Rugby-Spieler sein, was natürlich nicht gut gehen kann. Stets mit Cowboy-Hut bedeckt und gesenktem Blick bestätigt einem lediglich sein “Rightyo“ oder „yeah“, dass er mit einem redet. Nun hört sich das alles sehr schlecht an, ist es aber eigentlich nicht. Er ist ein prima Kerl und sehr nett.
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| Unsere Bleibe |
Der dritte im Bunde ist Mat. Mat wohnt auch auf einer von Miltons Farms und hat mit seiner Frau Mel ebenfalls 2 Kinder. Hm und mir fällt gerade auf, dass Mel ebenfalls 2 Kinder aus vorheriger Ehe besitzt. Zufälle gibt es scheinbar doch noch. Nun gut. Mat ist ursprünglich Pole, ist aber in Australien aufgewachsen und man hört somit keinen Akzent. Mat fährt die Trucks und sieht auch aus wie ein typischer Trucky: Wenig Haare auf dem Kopf, relativ klein, starker Raucher und ein rundes Bäuchelein. Insgesamt komme ich gut mit Mat klar. Mann muss sich an die Sprache ein wenig gewöhnen, denn er ist wohl derjenige der am meisten flucht. Einen Satz ohne „fuck“ oder „bloody“ oder „cunt“ gibt es so gut wie nie. Der Farmer-Slang eben.
Letzter im Bunde ist Shane. Shane ist erst letztens dazugestoßen und wird wohl 10 Jahre für Milton arbeiten. Er ist jetzt der 2. Manager neben Milton und hauptsächlich für die Saat zuständig. Immer ein breites Lächeln und ein flottes „Yip, allrightyo“ aus seiner Richtung geben dem Lockenkopf ein charmantes Image, auch wenn die Führungsqualität zu wünschen übrig lässt.
Jetzt genug von den Leuten, zurück zu den Tätigkeiten. Typischerweise läuft das Ganze so ab. Wir treffen Milton und die anderen versammelt und stehen etwas abseits, denn schließlich werden wir nie in den großen Plan involviert. Dann werden die Aufgaben verteilt und meistens heisst das für uns entflohene Kühe zurück in die eingezäunten Gebiete treiben, oder den anderen Arbeitern helfen schwere Sachen zu tragen. Futternäpfe müssen ausgefegt und ausgeschaufelt werden, genauso wie die Wassertröge. An manchen Tagen werden die Kühe in die „Raceline“ getrieben, wo die Kühe nacheinander behandelt werden können. Behandelt heisst in diesem Fall, 2 Spritzen werden gesetzt, manchmal auch ein Nasenspray (die Kühe hassen das) und ein Ohr-Tag (Piercing tut weh) wird angebracht. Dabei werden immer viele Leute benötigt, die die Kühe vorantreiben und die helfen beim Spritzensetzen usw..
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| "You ripped my silo" |
Eine andere beliebte Tätigkeit ist auch Zäune zu reparieren. Anstatt in gute Metall-Zäune zu investieren zieht Milton es vor jeden Tag einen anderen Teil der vielen Zäune zu reparieren. Naja dies sind wohl noch die besseren Aufgaben mit denen wir betreut werden. Seit nunmehr 2 Wochen beginnt hier aber die Saatzeit. Das riesige Gerät, was dazu verwendet wird, nennt man hier den „Seeder“ und hat sich zu unserem Hassobjekt entwickelt. Mann kann sich vorstellen, dass viele Schläuche mit Saatgut vorhanden sein müssen und viele davon immer wieder verstopfen. So ist es fast alltäglich, dass wir uns unter dem Seeder wiederfinden um die bekloppten Schläuche zu überprüfen. Leider ist das Teil nur 1 meter hoch und mann muss alles in kniehender Position machen. Zusammen mit viel Rütteln und Ziehen um die Schläuche aus den Ventilen zu ziehen, haut mann sich überall die Hände und den Kopf an und das Ganze artet oftmals in einer Fluchorgie aus. Zum Glück läuft der Seeder die letzten Tage relativ gut und wir blieben gestern zum Beispiel den ganzen Tag nur bei den Kühen.
Ein weiterer Inzident, der hier nicht vergessen werden sollte, war der Tag an dem Rob und Rob ein Silo kaputt gemacht haben. Wie sie das geschafft haben? Naja, es war spät abends und schon relativ dunkel. Das Ganze ist vor ungefähr 3 Wochen passiert, also noch relativ am Anfang. Rob und Rob wurden zur Scheune geschickt um einen Traktor zu holen. Diesen hatten sie wohl noch nie gefahren (da bin ich mir nicht ganz sicher) und so starteten sie ihn und fuhren los. Mit lautem Getöse wurde dann festgestellt, dass die Hydraulikschläuche noch am Silo befestigt waren und die gesamte Schraube aus dem Silo verbogen war. Mit den Worten „You ripped my silo“ wurden die beiden nach Hause geschickt und ich hab erst später von dem Ganzen mitbekommen. Das Ende vom Lied war, dass Milton für die Reparatur 16.000 Dollar ausgeben musste und die beiden Robs einen Tag umsonst arbeiteten (Silo aussaugen). Nach diesem Unfall, waren die beiden sehr in der Gunst von Milton gesunken und bekamen nur schlechte Jobs, während ich die vermeintlich interessanten Dinge tun durfte (alle Träcker fahren).
So vergingen die letzten Wochen und die meisten Tage endeten gegen 18 Uhr. Zu Hause wurde dann der Kamin angeschmissen und mit gesammelten Holz befeuert. Nach gemeinsam gekochtem Abendessen wird dann häufig noch ein wenig Fernsehen geschaut und die 2 empfangenen Programme voll ausgereizt. Neben den Klassikern „Man vs Wild“, „Hestons Feast“ und „Mythbusters“ ist es vor Allem „Kommissar Rex“, der hier mit englischen Untertiteln läuft (Inspector Rex), der für die meisten Lacher am Abend sorgt.
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| Heutiges Foto nach gestrigem Känguru Unfall |
Tja und während nun die letzten Wochen alles glatt für uns lief und morgen unsere letzte Woche auf der Farm anbricht (Emma bat uns noch etwas länger zu bleiben, da die Saat-Zeit immer stressig ist), ist gestern doch noch etwas passiert was uns die nächsten Tage bzw. Wochen beschäftigen wird. Auf dem Weg zu ihrem Nanny-Job ist Julia ein Känguru vor unser Auto gelaufen. Nachdem sie unbeschadet davon gekommen ist, hat es unser Auto doch etwas mitgenommen. Eine tiefe Delle über dem Vorderrad und auf der Kühlerhaube, Vorderblinker nicht mehr funktionstüchtig und der Rückspiegel demoliert. Insgesamt sehr ärgerlich, weil die Reparatur, soweit wir es nicht selber richten können, wohl sehr teuer wird, aber das wird sich zeigen. Wir werden wohl versuchen die meisten Teile auf einem Schrottplatz zu bekommen und dann selbst anzubringen, aber auch das ist noch nicht sicher.
Am nächsten Montag geht es dann wieder nach Perth, wo einiges an Feierei nachgeholt wird, bevor wir unseren Trip Richtung Norden fortsetzen. Dann gibt es mit Sicherheit auch wieder öftere Blogupdates…stay tuned





Wow ROland, das haste ja den gesamten GLenview Farm Clan einmal aufgearbeitet. Über den so entstandenen Familienstammbaum würden die sich sicher freuen, wissen doch bestimmt selbst nicht wer da grad wo mit wem und so :)
AntwortenLöschenMist das mit dem Auto ist natürlich mega ärgerlich, aber nur gut das Julia nix passiert ist, die Reise soll ja weiter gehen. Was für ein Geldpolster habt ihr da in den Wochen eigentlich anlegen können?
Mann mann mann dieser Julian, ne richtige Spaßkanone. Da hab ich was für ihn:
"Feuer den Ofen an!" - "Ofen, Ofen, Ofen!"
"Nee, du sollst ihn anmachen!" - "Hey, Ofen, wie wär's mit uns beiden?"
So viel dazu. Schön von dir zu hören. Freue mich auf die nächsten Updates. Muss jetzt erst mal den Anfang eurer Reise neu lesen und noch ein paar Schmankerl für uns rausschreiben...
Hey Roland,
AntwortenLöschenwieder super Bericht eurer Arbeit! Gott seis gedankt ist Julia nichts passiert, das Auto kann man sicher auch wieder reparieren, sodass es euch noch weitere Kilometer befördern kann.
Viel Spass euch dann bei der Weiterreise und viele Grüße auch von Laura und Finn (bei denen ich gerade in Berlin verweile)!
Und sag mal Julia, dass sie auch was schreiben muss!!! :D