Mittwoch, 6. Juli 2011

Mit Broome, Broome nach Darwin

Oxer-Lookout
Das Ende unseres Roadtrips ist unaufhaltsam auf uns zu gekommen und nachdem gestern Julia Adelaide verlassen hat, bin ich nun wieder allein allein.
Julia möchte wohl die noch verbleibende Ostküste bereisen und Rob will versuchen in Gold Coast einen Job zu finden. Ich für meinen Teil habe beschlossen nach einem längerfristigen Job als Ingenieur zu suchen. Auf welche Stadt dabei das Los fallen wird ist noch nicht beschlossen, aber momentan sieht es wohl danach aus, dass ich es in Melbourne bzw. hier in Adelaide versuchen werde. Perth war eigentlich meine erste Wahl, aber dort sieht das Jobangebot margerer und uninteressanter aus. Aber mal sehen, die ersten Bewerbungen sind und jetzt heisst es hoffen und Daumen druecken.
Mit vielen Gedanken um die Zukunft soll nun aber die Vergangenheit nicht in Vergessenheit geraten. So sind wir vor 5 Wochen (wow echt schon so lange her?) nach Bangen um unser Auto im Karijini Nationalpark angekommen. Bekannt für seine Schluchtenlandschaften und Wanderwege waren wir gespannt, ob Karijini die lange Hinreise wert war. Wir sollten nicht enttäuscht werden… Der Park hielt, was er versprach und schon der erste Besuch des Oxer-Lookouts war absolut beeindruckend und etwas, was ich zuvor noch nie gesehen habe. 3 Schluchten, geformt durch jahrelange Arbeit eines Flusses, treffen sich an diesem Lookout und Wanderwege bahnten sich ihren Weg ins Tal.
Oxer-Lookout
Grün bewachsen an der Oberfläche, bräunlich rotes Gestein in der Mitte und unten kristallklares Wasser, was zum Schwimmen einlud. Wirklich klasse und kaum in Worte zu fassen. So schön das Ganze auch aussah und so doll wir uns auch anstrengten das Panorama zu geniessen, schafften wir es doch nicht länger als 20 Minuten dort zu verbringen. Scheinbar waren wir nicht die Einzigen, die die Schlucht für sich alleine wollten, denn gefühlte Tausend Fliegen summten und flogen um unsere Körper. Mit einer Vorliebe für unsere Gesichter und insbesondere unsere Münder und Augen waren die Biester echt lästig. An eine Unterhaltung war nicht zu denken, denn diese wurde ständig durch Wegpusten der Fliegen vom Mund unterbrochen. Zusammen mit einer permanenten Wedelbewegung der Hände und Arme um den Kopf erinnerte unser Aufenthalt eher an einen esoterischen Gottestanz anstatt an entspanntes Sightseeing.
Fliegen, wofuer gibt es die nochmal?
So brachen wir schnell auf zur nächsten Schlucht und ließen den Oxer Lookout hinter uns. Auch die Joffre und Knox Schlucht waren absolut beeindruckend (siehe Fotos), aber die Fliegen taten ihr Bestes um uns auch diesen Aufenthalt zu vermiesen. So gingen wir mit schönen Fotos, aber entnervten Gesichtern zurück ins Auto und fuhren Richtung Dales Schlucht, wo ein Campingplatz sein sollte. Der nähergelegene 2. Campingplatz war leider schon ausgebucht und nachdem wir alle Schluchten besichtigt hatten, hielt uns auch nichts mehr in der Gegend. Nach 20 km dirt road ließen wir diese endlich hinter uns (zum Glück ist unserem Auto nichts gravierendes passiert, aber ein 4 WD ist für diese Gegend echt empfehlenswert) und stießen alsbald auf ein Schild, was uns zu einem Platz führte, wo es erlaubt sei zu campen. Dieser Platz bestand aus einer öffentlichen Toiletten und steinigem Boden.
Julia und Rob im Karijini NP
Kurzerhand bauten wir unser Zelt auf und ohne die Heringe (keine Chance bei dem Boden) schliefen wir eine steinige Nacht. Der Gedanke einer kostenlosen Übernachtung fühlte sich gut an, wurde jedoch am nächsten Morgen bei einem fliegenreichen Frühstück durch den Park-Ranger zerstört, der die 7 Dollar Gebühr pro Person einsammelte. Etwas verdutzt bezahlten wir und ärgerten uns gleichzeitig nicht schon früher den Platz verlassen zu haben um somit der Gebühr zu entkommen. Oh well, thats life.
Wir packten zusammen und machten uns auf zu den Fortescue Falls. Ueber einen kurzen Gebirgsweg ging es hinunter zu einem Wasserfall, der in einem kleinem See mundete, wo man sogar schwimmen konnte. Waehrend Rob und Julia diese Moeglichkeit gleich in die Tat umsetzten, genoss ich die Aussicht auf die wirklich wunderschoene Natur. Auch die Fliegen waren nicht mehr so stoerend, wie noch am Vortag. Wenn auch versunken in der Idylle, brachen wir auch von den Wasserfaellen alsbald auf und nach einer weiteren Sehenswuerdigkeit in dem Park (Circular Pool) fuhren wir weiter Richtung Port Hedland. Ich fuer meinen Teil, war fest davon ueberzeugt in einem Hostel zu uebernachten, denn die letzten Zeltuebernachtungen waren fuer mich alles andere als Urlaub. Port Hedland sah von der Groesse her vielversprechend fuer eine Hosteluebernachtung aus und auch im Internet fanden wir einige Adressen fuer Hostels. Ja, aber Internet kann sich ja auch mal taeuschen, nicht wahr? Port Hedlands Hostels waren fuer uns jedenfalls unauffindsam oder hatten bereits vor Jahren dicht gemacht, weshalb wir dort nur unser Mittag gegessen hatten und dann auf einem Campingplatz 100 km noerdlich Halt machten. Die Besitzerin machte uns ein super Angebot und mit Pool, Camping Kueche und sogar einem Rasen als Zeltunterlage gefiel sogar mir die Entscheidung noch eine Nacht zu campen.
Weggehen in Broome am Dienstag (Bushaltestelle!)
Am naechsten Tag erreichten wir dann bei wunderschoenem Wetter unser Ziel Broome. Angepriesen vor allem wegen des schoenen Strandes und dem Kleinstadt-Flare freuten wir uns die Stadt endlich zu erleben. So checkten wir in unser Hostel, dem Kimberley Klub YHA, gleich fuer 3 Naechte ein. Das 5 Sterne Hostel hatte es wirklich in sich und gehoert auch weiterhin zu meinen Favoriten. Ein ueberdachter Pool, Beachvolleyball Platz, Bar mit Foxtel-TV und eine riesige Lounge-area und das Ganze zu einem mehr als fairem Preis. Relaxen, das hatten wir uns verdient, ging es in unseren Koepfen herum. Die naechsten Tage in Broome verbrachten abwechselnd am Strand, im Shopping-Center, im Kino (X-Men) oder in der Bar-Area, wo wir unsere 2 fuer 1 Gutscheine in der Happy-hour einloesten. Der Strand ist wirklich sehr schoen und niemals ueberfuellt, dennoch waren wir uns einig, dass Esperance auch dieser Strand nicht toppen kann. Ein witziger Zufall war auch noch, dass wir Simone wieder getroffen hatten, eine der ersten Bekanntschaften, die Julia und ich in Sydney ganz am Anfang gemacht hatten. Man tauschte sich aus und es war klasse sich nach so langer Zeit am anderen Ende des Kontinents mal wieder zu treffen.
Hot Springs in Katherine
Unser einziger Weggeh-Abend wurde schnell ueber den Haufen geworfen, als wir erfuhren, dass Donnerstag wohl der einzige Tag in Broome sei, wo alle weggehen. Leider hatten wir uns fuer den Dienstag entschieden, denn am Mittwoch wollten wir die Stadt wieder verlassen. Naja so stapften wir wacker durch die wirklich menschenleere Stadt und fanden uns nach dieser enttaeuschenden Episode schnell wieder im Hostel.
Nachdem Broome abgehackt war, wurde ueber Etappen das naechste Reiseziel auf Darwin gesteckt. Auf der Reise dorthin ist eigentlich wenig Spektakulaeres passiert, so dass ich mich hier auf einige Highlights beschraenke. Nach 2 Tagen Reisen und einem Abstecher in Kunnunurra (Valentine Springs (ohne Schwimmen, es war arsch kalt und am Abend) und abermals ein super Campingplatz) ueberquerten wir eine weitere Staatsgrenze und befanden uns nun im Northern Territory.
Ach ja, ich bin mir nicht mehr ganz sicher, ob es auf dieser Strecke war, aber bei einer kostenlosen Uebernachtung im Northern Territory auf einem Zeltplatz hatten wir am Abend in der Dunkelheit Schwierigkeiten das Zelt aufzubauen und machten die Scheinwerfer vom Auto an. Wir sind nicht ganz sicher, ob es daran gelegen hat, aber am naechsten Morgen wollte das Auto nicht anspringen. Naja gut, so spektakulaer war es eigentlich gar nicht, denn zum Glueck war der freie Campingplatz so riesig, dass gleich das erste aeltere Eherpaar uns Starthilfe geben konnte. Danach wurde die Reise ohne Probleme, aber vorerst auch ohne Radio fortgesetzt.
Fledermaus-Baeume im Katherine NP
Angekommen in der Kleinstadt Katherine machte ich mich auf das Schlimmste gefasst, denn der Campingplatz warnte uns schon im Vorraus, dass man nicht neben dem Fluss campen sollte, denn die Krokodile wueder wohl auch schon mal rauskommen. Obwohl ja die „Freshys“ (Frischwasser-krokodile) ungefaehrlich seien (jaja, na klar), sollte man besser vorsichtig mit den Viechern umgehen. Ja gut, wir haben uns einen Platz weit weg von dem Fluss gesucht.
Am naechsten Tag ging es dann auf zu den Heissen Quellen (Hot Springs) und dem National Park um Katherine. Man, also die Heissen Quellen waren wirklich super schoen und so warm, dass man nachher nicht mehr raus moechte. Das Alles in Natur belassenem Terrain. Traumhaft. Den Nationalpark an sich fand ich nicht so spektakulaer wie alles andere. Es war echt nett und eine schoene Abwechslung auf einem Pfad einfach durch die Natur zu spazieren und abermals ein paar Schluchten zu sehen, aber verglichen mit dem bisher schon Gesehenen vergebe ich hier nur das Praedikat: Gut! Dennoch waren hunderte von Fledermauesen zu sehen, so dass man zuerst dachte an den Baeumen hingen Fruechte. Das war wiederrum sehr cool und etwas was ich noch nicht gesehen hatte.
Freshy...ungefaehrlich..
Katherine sollte uns aber noch mit etwas anderem belohnen. Der Campingplatz-Besitzer hatte uns zu Recht vor den Krokos gewarnt, denn voellig unvorbereitet stolperten wir am Abend ueber das Reptil, was uns auch noch die Ehre erbrachte und aus dem Wasser krabbelte. Klasse so ein Viech in der Natur zu sehen, ohne Zaeune oder andere Begrenzungen.
Am naechsten Tag ging es frueh in den Pub, denn ich wollte unbedingt und zumindestens eines der NBA-Finals sehen. Dallas hat gewonnen, yeah und mit guter Siegeslaune fuhren wir weiter Richtung Darwin. Naechster Stop war der Litchfield NP. Auch hier kamen wir relativ spaet an und suchten nach einem Campingplatz. Nachdem die „freien“ (nur wenn man frueh genug abhaut und der Ranger nicht die Plakette checkt) Campingmoeglichkeiten innerhalb des Parks nicht wirklich nach unserem Geschmack waren, machten wir das einzig Richtige und fuhren wieder zurueck zum naechsten kommerziellen Campingplatz. Hier zogen wir unser „2 gehen rein und wenn sie nicht nach der anzahl der Personen gefragt werden, dann bezahlen sie auch nur fuer 2“ Nummer durch und uebernachteten so auf einem tadellosen Campingplatz.
Wangi Falls

Bei Sonnenschein und guter Laune erkundeten wir am naechsten Tag die Sehenswuerdigkeiten des Parks. Wunderschoen waren die vor Allem die Wangi Falls, die leider zum Schwimmen geschlossen waren, die Florence Falls und das Buley Rockhole. Mittag wurde wie immer vor Ort mit unserem Kocher zubereitet und genossen. Alles in allem wirklich ein schoener Tag, der am Abend mit den letzten Kilometern nach Darwin abgeschlossen wurde. Wen wir in Darwin zufaellig wieder getroffen haben, was wir unternahmen und was wir den Rest unserer Reise erlebten werde ich die naechsten Tage und im naechsten Blog niederschreiben. Sorry fuer die lange Verzoegerung...stay tuned

5 Kommentare:

  1. Hej Roland!

    Sehr schön wieder etwas von dir (/euch) zu hören. Der Bericht ist auch wie immer tippi toppi und ich kann zwar nicht aus eigener Erfahrung aber den Erzählungen von einem Freund der kürzlich aus Australien wiedergekommen ist sprechen und dir sagen, dass man sich als deutscher Ingenieur in Australien tatsächlich ne goldene Nase verdienen kann. In der Öl- oder Tagebau-Industrie gibts dann auch mal zwischen 100.000 und 120.000 AussieDollar/Jahr "Einstiegsgehalt"! Das wäre ja wohl ne gute längerfristige Variante.

    Ich habe da von meinem Kumpel (auch E-Technik Ingenieur) auch noch ne Story: Der war damals in Perth angekommen und hatte nach zwei Tagen schon so ne Art 6er im Lotto. Der hat sich bei "http://www.outer-rim.com.au/" (allerdings in Perth) gemeldet. Von der Firma wurde er mit Kollegen 2000km ins Outback geflogen und musste da Messungen durchführen. Hierfür gabs 220 AUD/Tag. Das ganze lief Blockweise also 2-4Wochen im Outback arbeiten, dann wieder 2 Wochen frei. Die Flüge, Unterkunft und Verpflegung (ohne Alk) hat die Firma gezahlt. Vielleicht interessiert dich ja sowas auch nochmal ;-)

    Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Erfolg bei der Jobfindung und weiterhin noch gaaaaaanz viel Spaß!

    Viele Grüße aus Berlin

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  2. Da hab ich dich mal um die Umlaute gebracht! ...dafür zählt jetzt mit mir meine gesamte Familie zu deinen (begeisterten) Lesern! ...und der nächste Post berichtet aus dem Arbeitsleben eines deutschen Elektroingenieurs in OZ, ja? Freu mich drauf!

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  3. achso ich kann dir auch meinen Kumpel als Kontakt vermitteln, falls du interessiert sein solltest. Schreib mir am besten einfach kurz: finn@slicktown.de

    Gruß,
    Finn

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  4. Leude! So Kommentare lassen einen doch gleich einen ordentlichen Motivationsschub spueren. Vielen Dank.

    @finn: Alter, fettes merci fuer den outer-rim link. Da werd ich mich auf jeden Fall bewerben, denn das hoert sich nach einer super erfahrung an. Wenn das klappt wuerde ich schreien, denn momentan hat sich jobmaessig noch nicht viel ergeben, aber es sind ja auch erst 5 Tage vergangen..mal abwarten. Auf jeden fall echt schoen von dir zu hoeren. ich hoffe bei dir laeuft es weiterhin so wie du es dir vorstellst und ich freue mich auf ein baldiges Bierchen, wo auch immer!

    @Caro: ich freue mich auch von dir zu hoeren und in der kuerze liegt ja bekanntlich auch irgendwie was..bis bald mal wieder am telefon? :-)

    @Julie: Byron is calling, I heard? Geniess es!

    Viele Gruesse aus der Adelaide Buecherei und ich werde heut Nachmittag wieder einen Blogeintrag verfassen...

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