Donnerstag, 22. März 2012

Gute Fluten, schlechte Fluten!


Unser Van auf der Faehre in Hokianga!

So langsam aber sicher hat sie uns wieder, die Reiselust bzw. das Reisefieber. Nach 5 Tagen im Campervan haben wir den Norden der Nordinsel abgehackt und befinden uns momentan in Hahei, einem kleinem Ort auf der Coromandel. Heute hatten wir einen wirklich schoenen Tag am Strand verbunden mit einer Wanderung zum Cathedral Cove und sind nun auf unserem wohlverdienten Campingplatz, nachdem wir die letzten Naechte immer umsonst in unserem Camper uebernachteten.
Vor 5 Tagen holten wir also unseren Campervan von Lucky Rentals ab. Dieses eigentlich als einfach angedachte Prozedere gestaltete sich etwas schwieriger, denn anders als uns vorher bestaetigt konnte uns niemand von unserem Hostel abholen. Lediglich vom Flughafen sei ein kostenloser Shuttle-Service erreichbar. Ja gut, also wieder 16 Dollar fuer ein Shuttle zum Flughafen (was wir dank anderer Mitfahrer fuer 12 Dollar bekamen, yeah!) ausgegeben und zu unserem Erstaunen, kam dann auch tatsaechlich ein Mitarbeiter von Lucky Rentals und holte uns ab. Auf dem Weg zu der Filiale, gab sich dieser auch von seiner besten Seite. Musik aufgedreht und dann ab dafuer. Ach du scheisse, dachten wir uns. Wenn die alle ihre Mitwagen so fahren, dann gute Nacht. Mit einem Aufatmen erreichten wir, zum Glueck unbeschadet, unser Ziel und der Marketing-Fritze von dem gluecklichen Mietwagen Dienstleister empfing uns. 
15 km vor dem Ziel!
Der uebliche Papierkram und Smalltalk und eine gute halbe Stunde spaeter standen wir dann vor unserem mobilen zu Hause fuer die naechsten 4 Wochen. Der Toyota ist relativ gerauemig und hat seine besten Tage hinter sich, aber mittlerweile haben wir uns ganz gut arrangiert. Wenn man von der Hoechstgeschwindigkeit von 100 km/h absieht, und davon dass bei Steigungen nur noch Geschwindigkeiten von bis zu 40 km/h gehalten werden koennen, dann bleibt nur noch das unglaublich laute Motorgeraeusch, was auf die Dauer wirklich ein bischen nervt. Der Geraeuschpegel ist ungefaehr so laut, wie der in einer Bar mit Live-Band, wo man im Hinterraum sitzt. Man muss immer seine Stimme ein bischen anheben um sich zu unterhalten und die Musik noch einen Ticken lauter drehen um das Motorgeraeusch zu uebertoenen. Naja gut, wie schon gesagt, ansonsten ist alles da was wir brauchen. Sogar eine Mikrowelle, einen Safe und einen Kuehlschrank koennen wir unser Eigen nennen und dank 2. Batterie auch betreiben.
Und nochmals kurz vor dem Ziel!
(10 km vor Tauranga Bay!)
So starteten wir also vor 5 Tagen gegen Mittag los Richtung Norden. So dachten wir jedenfalls. Schon bald stellten wir fest, dass wir (nur mit einer sehr undetaillierten Karte bestueckt) uns verfahren hatten und machten eine Ehrenrunde durch Auckland, was uns gute 90 Minuten und Benzin kostete. Naja gut, einige kleine Startschwierigkeiten, aber danach waren wir auf dem richtigen Weg. Urspruenglich war unser Plan, bis zum noertlichsten Punkt Neuseelands (Cape Reinga) zu fahren und dort am Abend Camp zu machen. 455 km zeigte Google an und ich dachte, dass sei in 5 Stunden gut machbar. Ja schade Schokolade, nicht in Neuseeland. Zu unseren limitierten Hoechstgeschwindigkeiten kam dann noch Neuseelands Vegetation, die wirklich zum Teil gefuehlt nur aus Kurven und Huegeln besteht. So wurde uns schnell klar, dass wir diese Nacht nicht mal in die Naehe Cape Reingas kommen wuerden und wir steckten uns Hokianga als Ziel, was ungefaehr auf halber Strecke liegt.
Auf dem Weg dorthin wurden wir abermals von der neuseelaendischen Gastfreundlichkeit ueberrascht. Auf einem Rastplatz kochten wir im Camper unser Mittagessen, als ploetzlich zwei mittelalte Damen den Van musterten und anfingen mit uns zu sprechen. Die eine haette ja auch ueberlegt sich so einen zu kaufen, haette sich dann aber doch fuer einen anderen entschieden. Ja gut, hey das ist ja super. Wie dem auch sei, am Ende des Gespraeches gaben uns beide ihre Adressen und Telefonnummern und wenn wir in den Staedten seien, koennten wir gerne bei ihnen uebernachten. Einfach nur super nett und obwohl doch etwas skeptisch bewahrten wir die Adressen gut auf. Der Grund warum sie dies taeten war auch interessant. Die Tochter von Margharet waere naemlich in Deutschland gewesen und scheinbar haben einige Deutsche ihr immer sehr nett geholfen, wenn sie in Not waren. Deswegen hilft sie jetzt auch Deutschen und anderen Internationalen und bieten denen ihr zu Hause als Schlafmoeglichkeit an. Super Einstellung, wie ich finde.
Unsere Retter: Die Stanford Familie
Nach unserem Mittag (um ungefaehr 17 Uhr) fing es dann an zu regnen (vllt auch schon etwas eher, bin mir nicht mehr ganz sicher) und wir machten uns wieder auf den Weg Richtung Hokianga. Es wurde dunkler und dunkler, der Regen wurde staerker und staerker und die Strassen kurviger und kurviger. Schliesslich paarten sich Baeume rechts und links der Strasse und wir waren im tiefsten Wald. Die Nerven lagen blank, wir waren unglaublich muede und wollten eigentlich nur noch schlafen. Aber weit und breit keine Toilette oder Parkplatzmoeglichkeit. Dann passierten wir ein langersehntes Schild, wo neben dem Mann und der Frau auch noch ein Zelt zu sehen war. Klasse ein Campingplatz. Aber 15 Dollar/Person gleich am ersten Tag? Wir wollten doch eigentlich etwas Geld sparen durch den Camper. Also weiter. Auch eine weitere Toilette in Mitten des Waldes war uns etwas unheimlich und wir beschlossen weiter zu fahren.
Zum Glueck nahm der Wald bald ein Ende und wir erreichten einen kleinen Ort kurz vor Hokianga, der ebenfalls eine oeffentliche Toilette bereitstellte. Kurzerhand parkten wir vor dieser und machten uns ans Betten aufbauen. Mann mann mann, das war noch alles ganz schoen chaotisch, aber wir bekamen es hin und schliefen unsere erste Nacht im Campervan. Fazit: Nicht viel Schlaf, dank ungewohnter Schlafkulisse, aber erstaunlich gemuetlich und tausendmal besser als Zelt.
Das Haus der Stanfords!
Am naechsten Morgen setzten wir unseren Weg fort und nahmen die Faehre in Hokianga um schliesslich weiter gen Cape Reinga zu fahren. Auch an diesem Tag regnete es wie aus Kuebeln und die Strassen waren nicht weniger kurvig oder steil. Sprich, wir kamen nicht voran und es dauerte alles laenger als erwartet. Schliesslich waren wir endlich 15 km vor Cape Reinga und obwohl scheiss Wetter war ein Ende in Sicht. Dachten wir zumindestens. Doch Neuseeland war auf diese Fluten von Regenwasser nicht eingestellt und so standen wir 10 km vor unserem Ziel vor einer ueberfluteten Strasse. Schlagartig verstanden wir auch die ganzen Lichthupen, die wir auf dem Hinweg erhielten. Geschaetzte 75 cm stand das Wasser ueber der Strasse und ein Ueberqueren mit unserem Campervan war unmoeglich. Es half alles Nichts und so fuhren wir die 100 km wieder zurueck nach Kaitaia. Dazu kam auch noch, dass wir geplant hatten in Cape Reinga zu tanken und die Nadel naeherte sich bedrohlich dem E fuer empty. Mit den ganzen Huegeln ist der Dieselverbrauch des alten Toyotas doch etwas hoeher als normal und schon bald blinkte die “Jetzt ist es wirklich ernst, du musst tanken” Lampe auf.
Spaziergang am Strand mit Suzie und Anette!
Fuer ein paar Minuten war Stille im Auto und wir hofften einfach nur, dass bald eine Tankstelle kommen wuerde. Wir haben es schliesslich mit 2.6 Litern im Tank zur Tankstelle in Kaitaia geschafft und atmeten abermals auf. Noch schnell eingekauft im Pack n Save und dann ging es nach dem Mittagessen auch schon weiter Richtung Tauranga Bay, was wir als naechstes Ziel steckten, nachdem Cape Reinga ja leider gestorben war. 100 km spaeter wussten wir nicht, ob wir laut loslachen oder einfach nur weinen sollten. Nach einem Huegel sahen wir eine Schlange Autos und deren Fahrer vor einer ueberfluteten Strasse stehen. Nun wuerde man ja in Deutschland sagen, ach komm, dann umfahr doch einfach die Strasse und nimm einen kleinen Umweg. In Neuseeland auf der Nordinsel geht das leider nicht so einfach, da es vielfach nur EINE Strasse gibt. So auch in diesem Fall und alle anderen Strassen wieder in den Sueden waren auch ueberschwaemmt. Doch zu allem Unglueck gab es auch in diesem Fall ein wenig Glueck. Wir kamen ins Gespraech mit einer aelteren Dame in ihrem Jeep. Sie und ihre Familie haetten ein Ferienhaus hier in der Naehe, von dem sie eigentlich nach Auckland aufbrachen. Sie wuerden wohl gezwungermassen dort eine weitere Nacht verbringen und fragten ob wir nicht Lust haetten mitzukommen.
Mittag in Tauranga Bay!
Wieder etwas unschluessig, sagten wir schliesslich zu und folgten ihr und ihrer Tochter zu ihrem Haus, was sich mehr als eine Art Villa mit traumhaften Ausblick herausstellte. Wahnsinn. Doch damit nicht genug, sie zeigten uns ihr Haus, was sie groesstenteils selbst renoviert hatten und machten Kaffee und Kuchen fuer uns. Ein Abendessen liessen sie sich auch nicht ausreden und alsbald kochte Suzie koestlichste Spaghetti Bolognese. Dazu gab es Rotwein und als Nachtisch einen kleinen Wodka Fijoa. Fijoa Frucht haben wir zum ersten Mal bei den Stanfords (Name der Familie) probiert. Sehr sehr lecker. Man unterhielt sich und tauschte sich aus und es war ein sehr ungezwungener und einfach schoener Abend. Witzig, wie ein so ungluecklicher Tag dann doch ein so schoenes Ende nehmen konnte. Wir uebernachteten im Gaeste Zimmer und wie durch ein Wunder war das Wetter am naechsten Tag etwas besser und die Strassen sollten frei sein. Natuerlich wurde noch lecker gefruehstueckt und sogar fuer einen Spaziergang am Strand war noch Zeit. Ein wenig komisch war es schon, dass alles anzunehmen und nichts als Gegenleistung fuer die grosszuegige Gastfreundschaft anbieten zu koennen.
Regnerisch, ratlos, aber happy in Paihia!
Aber die Familie war so nett und meinte das sie nach dem Grundsatz “What goes around, comes around” lebe. Wir sind uns sicher, dass nach unserem Aufenthalt bei ihnen etwas ganz super Gutes fuer sie in baldiger Zukunft passieren wird. Auch an dieser Stelle noch einmal vielen lieben Dank. Interessant war noch der Job von Suzie, der Tochter von Greg und Anette. Sie arbeitet als Manager auf einer Luxus-Yacht, die jetzt bald wieder ablegt und die Karibik bereist. Niemand anderes als Jay-Z und Beyonce haette sie an Bord gehabt und ueberhaupt sei der Job zwar sehr stressig, aber auch sehr lohnenswert. Immerhin sei ihr Ziel bis 35 (sie ist 29 im Moment) 3 Haeuser zu haben, denn fuer ewig wollte und koenne sie den Job nicht machen. Ich druecke ihr die Daumen!
Nachdem noch ein paar Fijoa-Fruechte aus dem Garten gepflueckt wurden, verabschiedeten wir uns von den Stanfords und machten uns auf den Weg nach Tauranga Bay. Zwar hatte der Tag vom Wetter her sehr schoen angefangen, doch schlagartig als wir die Tauranga Bay erreicht hatten, fing es auch schon wieder an zu regnen. Kann doch wohl nicht war sein. Der 3. Tag in Folge und nur Regen. Insgesamt war die Bucht und auch sonst das bisher Gesehene sehr schoen, aber so richtig kann man das Ganze bei Regen nicht geniessen. 
Hundertwasser Toiletten in Kawakawa!
So hielten wir unser Mittagessen kurz und fuhren bald weiter Richtung Paihia, einer Stadt in Mitten der Bay Of Islands. Hier war urspruenglich geplant eine Bootsfahrt zu machen um die vielen kleinen Inseln in der Bucht zu sehen. Doch auch dieses erschien uns angesichts des Wetters nicht wirklich das Richtige. Nicht nur das es zu dem Zeitpunkt regnete, auch die naechsten Tage war Regen angesagt. 90 Dollar fuer einen Segeltoern bei Regen und Sturm? Nen anderes Mal vielleicht. Also weiter. Nicht wirklich schluessig, wo wir als naechstes haltmachen wollten (denn schliesslich ist alles in der Natur bei Regen suboptimal) bahnten wir unseren Weg Richtung Whangarei. Auf dem Weg dorthin fuhren wir durch Kawakawa, welches Greg in Erzaehlungen erwaehnte und wo Hundertwasser ein paar Toiletten verkachelte. Der Zufall wollte es, dass ich auf Toilette musste und eben jene aufsuchte. Joa, ist ganz nett, aber so grell brauch ich es auf Toilette nicht. Nach einer kleinen Detour zu einigen oeffentlichen Toiletten (die wir faelschlicherweise fuer die Hundertwasser Toiletten hielten) schauten wir uns noch eine Kunstausstellung an. Auch nicht der Ueberhammer, aber die Fijoa-Suessigkeiten waren klasse!
Danach ging es wieder weiter auf der Strasse, denn wir beschlossen in Whangarei zu uebernachten, bis wohin es noch einige Kilometer waren. Wieder stockduster, und wieder im Regen fanden wir schliesslich einen Parkplatz neben einer Touristeninformation mit einer Toilette. Puh! Voellig kaputt, fielen wir ins etwas muffige Bett, denn ach ja unser Toyota ist genauso wenig wie die Strassen fuer solchen Regenfall ausgestattet und wir haben einige Lecks im Dach. 
Abbey Caves in Whangarei!
Trotz einiger Naesse schliefen wir erstaunlich gut und am naechsten Morgen ging es frueh raus zu den Abbey Caves, Whangareis frei zu besichtigenden Steinhoehlen. Alles war natuerlich noch super nass vom vielen Regen an den Vortagen und so war es entweder diese Tatsache oder die Uhrzeit, die uns voellig allein die Hoehlen erkunden lies. Ich fand es unglaublich cool ins Dunkle zu tappen und die Steine herunter zu krackseln. Ungluecklicherweise war in der Hoehle ein Strom von Regenwasser, der ein weiteres Erkunden nicht zuliess. Schade, aber das macht auf jeden Fall Lust auf mehr. Der Tag fing schon mal gut an. Doch was passierte immer, wenn der Tag gut anfing. Genau es fing an zu regnen. So auch an diesem Tag. Kurz vor dem Goat Island Marine Reserve Park, einer Bucht wo man viele Fische sehen kann, fing es an zu schuetten wie aus Kuebeln. Regenjacken raus, Kaputze auf und dann raus. Angenehm war es nicht und die Jeans war in kurzer Zeit klitsch nass. Fische haben wir keine gesehen, aber wir sind uns sicher, dass es bei schoenem Wetter echt schoen sein muss in dem Marine Reserve.
Goat Island Marine Reserve Park
Ein paar schoene Wasserfaelle und Steinformationen haben wir gesehen und dann machten wir dem Regenspiel ein Ende und stiegen voellig durchnaesst in den Van. Wir hatten den Norden satt. Wir wollten weiterfahren Richtung Sueden. Und das taten wir. Und wir fuhren. Und wir standen in der Rush-Hour in Auckland. Und wir fuhren. Und es wurde dunkler und windiger. Und regnerischer und stuermischer. Bis zu dem Punkt, an dem wir mit 30 und Fernlicht ueber den Highway gefahren sind, weil es einfach nicht anders ging. In Thames staerkten wir uns mit Mc Donalds Cafe und kauften ein. Dann ging es weiter durch die naechtliche Hoelle, abermals auf der Suche nach einem Schlafplatz. Dieser sollte nach einer gefuehlten Ewigkeit auch gefunden werden und wir waren heilfroh nicht mehr weiter zu fahren. Es war so schlimm, dass wir nicht mehr erkennen konnten, ob wir neben dem Meer oder neben ueberschwemmten Wiesen gefahren sind.
Stay cool, but don't freeze brother!
Der 5 Meter Marsch zur Toilette durchnaesste einen voellig, aber es half nichts, denn die Blase war staerker. Mit etwas Unmut, ob der Wind den Campervan umhauen wuerde schliefen wir schliesslich in unser Tropfstein-Hoehle ein. Der naechste Morgen bringt uns dann zum heutigen Tag und damit zum ersten sonnigen Tag seit gefuehlten Jahren. So schoen, das koennt ihr euch nicht vorstellen, wenn man morgens aufwacht und nicht mit Regen, sondern mit Sonnenschein geweckt wird.
Mit diesem moechte ich hier Schluss machen und die Coromandel Erlebnisse im naechsten Blogpost beschreiben. In dem Sinne und wie immer: stay tuned...

1 Kommentar:

  1. Endlich habt ihr mal etwas Abwechslung von dem ewigen Sonnenschein, seid froh! ;)

    Klingt mal wieder nach ein paar sehr interessanten Eindrücken, die ihr die letzten Tage habt sammeln dürfen. Schlagt euch weiter durch und halte uns weiter so gut auf dem Laufenden!

    Grüße,

    Alex

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