Dienstag, 24. Juli 2012

My Ähh me!


Soo nun ist es soweit gekommen und ich verfasse just in diesem Moment meinen letzten Post innerhalb dieses Blogs. Ohne viel Geplänkel geht es direkt wieder rein ins Geschehen. Ort: JFK Airport. Julia und ich haben uns schon am Bahnsteig des Airtrains verabschiedet, da wir von unterschiedlichen Terminals in unterschiedliche Richtungen flogen und die Zeit nicht mehr ausreichte um noch gemeinsam etwas zu essen. Von da an hieß es dann für mich alleine weiter in Richtung American Airlines Terminal, von wo ich nach Miami aufbrechen würde. Ich war circa 1 Stunde und 40 Minuten vor Abflug am Terminal und dachte eigentlich für einen domestic flight gut in der Zeit zu liegen. Ja, ne. Man sollte meinen nach 1 ½ Jahren hätte ich es besser wissen müssen. Das erste Problem war mein langer Nachname. Da mein gesamter Nachname (von Schwerdtner – Pomeiske) in kein online Formular passt, gebe ich meistens immer nur “von Schwerdtner” an. So auch in diesem Fall. Das blöde ist nur, dass in Amerika fast gar nicht mehr über Schalter eingecheckt wird, sondern man sich sein Ticket am Automaten mit Hilfe seines Reisepasses vorher ausdruckt. Hier beisst sich der Hund in den Schwanz, denn auf meinem Reisepass ist natürlich mein ganzer Nachname gespeichert und somit konnte der Automat mein Ticket nicht finden. Ich also zum erst besten Schalter (ausgeschildert nach Flügen ist in der Halle gar nichts, nur American Airlines Schalter wohin man schaut). “Ja ne, hier sind sie falsch, da auf der anderen Seite müssen sie hin”. Ich zur anderen Seite und wieder gefragt. “Nene, wieder falsch, da ganz am anderen Ende”. Na super. Inzwischen verstrich die Zeit und schliesslich fand ich mich vor einem Bereich wieder, wo nur diese Automaten standen und dahinter ein Fliessband für das Gepäck. Als ich wieder einen angesprochen habe, meinte der er könne es besser und wieder warteten wir die Suche des Automaten ab. “Ja gut da müssen sie mal zum Service Desk”. An diesem versuchten kläglich 2 Beamte die ca. 20 wartenden Personen abzufertigen. Echt ein super System American Airlines! Naja am Anfang der Schlange stand wieder eine Dame von AA, der ich mitteilte, dass mein Flug in mittlerweile 1 Stunde abfliegen würde. “Oha, den werden sie wohl verpassen”. Ähh wie bitte. Erst lotst mich ihr scheiss Verein einmal quer durch das Terminal und dann wird mir nur gesagt, dass ich meinen Flug verpasse. Na vielen Dank ihr Trottel. Letztlich schien sie doch noch eine Chance für mich zu sehen und nach Bezahlung für Gepäckstück und Suche nach meinem Ticket blieben mir noch satte 35 Minuten um durch den Security Check zu kommen und zum Gate zu laufen. Könnte noch klappen dachte ich, bis ich die Schlange vor dem Security Check gesehen habe. Ungelogen ca. 60 Meter Schlange. Ich habe also abermals eine AA Angestellte angesprochen, die mir wieder mitteilte, dass ich wohl meinen Flug verpassen würde. Super, seid ihr alle so hilfsbereit hier? Hinter mir riefen mir Leute dann zu ich solle an den Anfang der Schlange laufen und dort nochmal fragen. Ich dachte nicht lang drüber nach und lief los. Am vorderen Ende der Schlange sagt man mir, dass man mich nicht vorlassen könnte, das wäre ja unfair den anderen gegenüber. Nochmal da drüben fragen. Um es kurz zu machen, schaffte ich es 15 Minuten vor geplanten Abflug am Gate zu sein. Die Krux war dann, dass uns im Flugzeug mitgeteilt wurde, dass wir mit einer Stunde Verspätung abheben würden. So saß ich völlig verschwitzt 1 Stunde im Flugzeug, bevor wir endlich abhebten.
Aber der Tag war noch nicht zu Ende. Im schwülen Miami angekommen machte ich mich auf die Suche nach der Busstation, von wo ich wieder mit einer Beschreibung des Hostels einen Bus nehmen sollte. Das Problem war, dass es diesen Bus nicht mehr gab. Ich fragte nach und mit einem höllen Akzent half mir jemand weiter und meinte ich müsse genau den Bus nehmen, der gerade ankam. Also wieder in den Bus gelaufen und nochmal nachgefragt, ob ich denn auch wirklich hier richtig sei. Die Busfahrerin bestätigte dieses und wollte mir Bescheid sagen, wenn wir da sind. Na also es gibt doch noch hilfsbereite Leute in Amerika.
Nach einer weiteren Stunde Busfahrt schaffte ich es schliesslich um 22:30 Uhr ins Hostel, wo ich mit lauter Bass und Hip Hop Musik von einer Party Traube empfangen wurde. Alle waren aufgebrezelt, auf der Rezeption war ein riesiges Fass mit Bier aufgestellt und die Musik war fast zu laut um mich mit der Rezeptionistin zu unterhalten. Ein Freibier wurde mir als erstes angeboten und dann wurde ich eingecheckt. Schnell noch Geld geholt und dann habe ich meinen Mini 6 Bett Dorm bezogen. Ohne zu untertreiben, war das Zimmer vielleicht 9 Quadratmeter groß und ein 1 ½ Quadratmeter großes Bad nannten wir auch noch unser eigen. 3 Hochbetten waren neben einander gequetscht und ich fand als erstes nicht mal Platz für mein Gepäck. Naja alles halb so wild. Erstmal wieder runter und mein Bier ausgetrunken. Ich gesellte mich auf die Terasse zu einigen Leuten und unterhielt mich. Schwubb die wubb war es halb 2 und ich war nun wirklich im Eimer. Tschüss gesagt und ab ins Bett. Von meinen Mitbewohnern hatte ich bislang noch niemanden gesehen. Nun war zumindestens Francisco (den Namen kannte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht) in dem Bett unter mir und schlief seelenruhig mit Augenmaske und Ohropax. Sauber, beides hatte ich nicht mit. Aber ich war guter Dinge, denn die Musik konnte man im Zimmer nicht hören und zu dem Zeitpunkt war es angenehm ruhig. Ungefähr eine halbe Stunde später war ich fast eingeschlafen, als plötzlich die Tür aufrummste. Licht an und auf einem Mal stubbste mich ein Finger an die Schulter. “Dude, do you have a condom?”. Das waren die ersten Worte von meinem anderen Mitbewohner des Dorms. Ich verneinte die Frage etwas verdutzt und so fragte er Francisco, der ihm aushelfen konnte. So verliess er kurzzeitig das Zimmer. Alles klar, dachte ich mir und hoffte das er nicht wiederkommen würde. Es hat ungefähr 5 Minuten gedauert. Da wummste die Tür auf und das Licht ging wieder an. Nun waren auch meine anderen Mitbewohner (2 Dänen und 2 Australier) mit im Zimmer, zusammen mit einer Frau. Alle wussten Bescheid was nun passieren würde und ausser dem Kondom-Australier und der Frau verliessen alle das Zimmer. Alle, ausser mir. Ja nun hätte ich es nicht so schlimm gefunden, wenn sie schnell Sex gehabt hätten und dann wieder abgezogen wären. So war es aber nicht. Die Frau (Vanessa, auch die habe ich erst später kennengelernt) wollte nämlich nicht. “No you are doing that with everyone in the hostel”. “But baby you are the only one. I only want you..” So in dem Stil, ging es ganze 2 Stunden lang, immer mal unterbrochen von Kussgeräuschen, und mittlerweile war es 5:30 Uhr. Schliesslich haben beide sich dafür entschieden wieder runter zu den anderen zu gehen und so hatte ich bestimmt eine halbe Stunde Schlaf bis die ganze Horde wieder hereinstürmte. Die Dänen flogen an dem Morgen nämlich wieder zurück und haben durchgemacht. Packten also morgens nun ihre Sachen und verliessen schliesslich ein für alle Mal das Zimmer. Ja gut, dann schlief ich nochmal bis 10:00 Uhr und dann wurde es so heiss in dem Zimmer das ich schliesslich auch aufstand. Mann war ich fertig. Naja immerhin fand ich (wurde mir von der Rezeptionistin empfohlen) einen super Italiener, wo ich einen sehr leckeren Kaffee und ein köstliches Panini genoss. So sah der Tag schon etwas besser aus. Nachmittags hab ich dann meinen Blog geschrieben, denn zu viel mehr war ich auch nicht in der Lage und Abends ging es dann zum Miami Heat Playoff Spiel gegen Indiana. Komischerweise war ich gar nicht mehr sooo unglaublich kaputt und hatte Lust mir das Spiel anzugucken. Schon auf dem Weg dorthin gaben sich die Australier wieder von ihrer besten Seite. Im Bus gröhlten 4 Männer aus Darwin völlig betrunken durch sämtliche Sitzreihen und belästigten so ziemlich jeden. Aber hey es ist ja schliesslich Miami Beach und wie ich schon festgestellt habe, kommen hier alle nur zum feiern her.
Von dem Spiel erzähle ich immer gern eine Annekdote. Ich saß natürlich ganz weit oben, denn das waren die billigsten Plätze und vor allem welche, die ich noch in der Kürze ergattern konnte. Sehen konnte ich alles und somit gab es keinen Grund sich zu beschweren. Neben mir saßen jeweils 2 Pärchen, wobei die Frauen beide neben mir saßen. Nun gingen die Pärchen unglaublich bei dem Spiel mit. Wenn LeBron mal einen daneben geworfen hat, dann wurde sich darüber aufgeregt und genauso wurden alle gelobt und bejubelt, wenn mal was Gutes passiert ist. Wie dem auch sei, jedenfalls saß ich in der Mitte und hab zwar auch geklatscht, aber halt nichts gerufen und bin auch manchmal sitzen geblieben als alle aufgesprungen sind. Naja bei der Halbzeit kam dann plötzlich einer der Männer und fragte mich, ob ich 21 sei. Ich verstand zuerst die Frage nicht so richtig und bejahte schliesslich, denn ich sei ja schon 27 Jahre alt. “Im buying you a beer, dude”. Hä? Meint er das ernst? Ja, das meinte er und nach einer halben Stunde kam er tatsächlich mit einem Bier für mich wieder. Mega cool, dachte ich. Eine halbe Minute später kam dann die Erklärung: “My wife said you need to brighten up”..Oh mann war ihr das unangenehm. Mir war es egal und ich erklärte, dass die letzten Nächte nicht so schlafergiebig waren. Naja auf jeden Fall sehr lustig, denn so sehr ist neben mir noch niemand vor Scham versunken ;-)
So ging das Spiel zu Ende und Miami gewann glaub ich mit 30 Punkten, also nicht wirklich ein gutes spannendes Spiel. Der Rückweg war dann mit dem Bus auch schwerer als gedacht, aber nachdem ich einen Penner erfolgreich abgeschüttelt habe, der Geld für seine Führung zur Bushaltestelle haben wollte, fand ich auch diesen Weg erfolgreich. Zurück im Hostel trank ich noch ein zwei Bier und gesellte mich zu Francisco, der mit 2 deutschen Mädels auf der Terasse saß. So lernte ich Judith und Kristin kennen und in dem Vierergespann unternahmen wir die nächsten Tage was. So wurde die Lincoln Street und eine große Mall zum Einkaufen besucht und Abends haben wir zusammen im Partybus gefeiert. Neben Beachvolleyball, Schwimmen und am Strand liegen war es dann auch schon was in Miami passiert ist. Viel Party, Sonne und wenig Schlaf. So lässt sich Miami für mich zusammenfassen.
An einem Samstag bin ich wieder nach Hause geflogen und ich war heilfroh nicht auch noch das Wochenende in Miami verbracht zu haben, denn es war das Memorial Day Weekend. Offiziell wird sich an dem Memorial Day an die Kriegsveteranen erinnert. Inoffiziell kommen an dem Wochenende vor Allem Schwarze nach Miami Beach und feiern bis sie nicht mehr kommen. Man erzählte mir, dass im Vorjahr 23 Leute in Miami bei Schiessereien ums Leben gekommen seien und aus dem Grund das Hostel auch keine Diskobesuche organisieren würde, denn es sei schlicht zu gefährlich. Zwar war ich am Samstag schon wieder weg (das soll der schlimmste Tag sein), aber am Freitag zeichnete sich schon alles sehr gut ab. Auf jeder Straße tummelten sich kleine oder größere Grüppchen von muskelbepackten Leuten, die sich gegenseitig mit lauter Hip Hop Musik beschallten. So blieb ich am Freitag lieber im Hostel und die meisten anderen teilten diese Meinung. Ein schöner letzter Tag ging so zu Ende und am nächsten Tag ging es wieder in die Heimat. Die Gedanken, die mir dort durch den Kopf gingen habe ich in dem entsprechenden Blog beschrieben. In jedem Fall war es für mich eine unbeschreibliche Erfahrung. 1 ½ Jahre die Welt bereist. Einiges an Glück und manchmal auch Pech gehabt. Wenn man im Nachhinein zurückblickt ist es schon erstaunlich aus was für Situationen man sich wieder befreit hat und schliesslich doch wieder alles anders als geplant gekommen ist. Ich kann es kaum in Worte fassen, wie viel mir diese Reise gegeben hat und ich bin unglaublich glücklich und stolz, dass ich mir diesen Traum erfüllen konnte.
In diesem Sinne soll auch der Blog an dieser Stelle zu Ende gehen. Ich habe mich sehr gefreut zu sehen, wie viele Leser täglich diesen Blog verfolgt haben und möchte noch einmal allen danken, die fleissig kommentiert und mitgelesen haben. Hoffentlich begleitet mich der ein oder andere auf meinen zukünftigen Reisen.

---The End--

1 Kommentar:

  1. Tip top! Mensch Roland, da hast du echt eine unglaublich geniale Reise hinter dir! Die Erfahrung, die Erlebnisse kann dir keiner nehmen, die Stories werden auch noch deine Kinder zu hören bekommen. Dein Abflug nach Miami im JFK...kommt mir zu bekannt vor (letztes Mal NY, exakt wie du beschrieben hast inklusive Verspätung des Fluges, Zitat Anne: "My heart is beating like a jungle drum" - Der Soundtrack als wir durch die Securityabsperrung sind;)). Ich würde sagen: Alles richtig gemacht. Ich überlege nun ernsthaft Miami zu machen oder nicht...hrm

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