Soo nun ist es soweit
gekommen und ich verfasse just in diesem Moment meinen letzten Post
innerhalb dieses Blogs. Ohne viel Geplänkel geht es direkt wieder
rein ins Geschehen. Ort: JFK Airport. Julia und ich haben uns schon
am Bahnsteig des Airtrains verabschiedet, da wir von
unterschiedlichen Terminals in unterschiedliche Richtungen flogen und
die Zeit nicht mehr ausreichte um noch gemeinsam etwas zu essen. Von
da an hieß es dann für mich alleine weiter in Richtung American
Airlines Terminal, von wo ich nach Miami aufbrechen würde. Ich war
circa 1 Stunde und 40 Minuten vor Abflug am Terminal und dachte
eigentlich für einen domestic flight gut in der Zeit zu liegen. Ja,
ne. Man sollte meinen nach 1 ½ Jahren hätte ich es besser wissen
müssen. Das erste Problem war mein langer Nachname. Da mein gesamter
Nachname (von Schwerdtner – Pomeiske) in kein online Formular
passt, gebe ich meistens immer nur “von Schwerdtner” an. So auch
in diesem Fall. Das blöde ist nur, dass in Amerika fast gar nicht
mehr über Schalter eingecheckt wird, sondern man sich sein Ticket am
Automaten mit Hilfe seines Reisepasses vorher ausdruckt. Hier beisst
sich der Hund in den Schwanz, denn auf meinem Reisepass ist natürlich
mein ganzer Nachname gespeichert und somit konnte der Automat mein
Ticket nicht finden. Ich also zum erst besten Schalter
(ausgeschildert nach Flügen ist in der Halle gar nichts, nur
American Airlines Schalter wohin man schaut). “Ja ne, hier sind sie
falsch, da auf der anderen Seite müssen sie hin”. Ich zur anderen
Seite und wieder gefragt. “Nene, wieder falsch, da ganz am anderen
Ende”. Na super. Inzwischen verstrich die Zeit und schliesslich
fand ich mich vor einem Bereich wieder, wo nur diese Automaten
standen und dahinter ein Fliessband für das Gepäck. Als ich wieder
einen angesprochen habe, meinte der er könne es besser und wieder
warteten wir die Suche des Automaten ab. “Ja gut da müssen sie mal
zum Service Desk”. An diesem versuchten kläglich 2 Beamte die ca.
20 wartenden Personen abzufertigen. Echt ein super System American
Airlines! Naja am Anfang der Schlange stand wieder eine Dame von AA,
der ich mitteilte, dass mein Flug in mittlerweile 1 Stunde abfliegen
würde. “Oha, den werden sie wohl verpassen”. Ähh wie bitte.
Erst lotst mich ihr scheiss Verein einmal quer durch das Terminal und
dann wird mir nur gesagt, dass ich meinen Flug verpasse. Na vielen
Dank ihr Trottel. Letztlich schien sie doch noch eine Chance für
mich zu sehen und nach Bezahlung für Gepäckstück und Suche nach
meinem Ticket blieben mir noch satte 35 Minuten um durch den Security
Check zu kommen und zum Gate zu laufen. Könnte noch klappen dachte
ich, bis ich die Schlange vor dem Security Check gesehen habe.
Ungelogen ca. 60 Meter Schlange. Ich habe also abermals eine AA
Angestellte angesprochen, die mir wieder mitteilte, dass ich wohl
meinen Flug verpassen würde. Super, seid ihr alle so hilfsbereit
hier? Hinter mir riefen mir Leute dann zu ich solle an den Anfang der
Schlange laufen und dort nochmal fragen. Ich dachte nicht lang
drüber nach und lief los. Am vorderen Ende der Schlange sagt man
mir, dass man mich nicht vorlassen könnte, das wäre ja unfair den
anderen gegenüber. Nochmal da drüben fragen. Um es kurz zu machen,
schaffte ich es 15 Minuten vor geplanten Abflug am Gate zu sein. Die
Krux war dann, dass uns im Flugzeug mitgeteilt wurde, dass wir mit
einer Stunde Verspätung abheben würden. So saß ich völlig
verschwitzt 1 Stunde im Flugzeug, bevor wir endlich abhebten.
Aber der Tag war noch
nicht zu Ende. Im schwülen Miami angekommen machte ich mich auf die
Suche nach der Busstation, von wo ich wieder mit einer Beschreibung
des Hostels einen Bus nehmen sollte. Das Problem war, dass es diesen
Bus nicht mehr gab. Ich fragte nach und mit einem höllen Akzent half
mir jemand weiter und meinte ich müsse genau den Bus nehmen, der
gerade ankam. Also wieder in den Bus gelaufen und nochmal
nachgefragt, ob ich denn auch wirklich hier richtig sei. Die
Busfahrerin bestätigte dieses und wollte mir Bescheid sagen, wenn
wir da sind. Na also es gibt doch noch hilfsbereite Leute in Amerika.
Nach einer weiteren
Stunde Busfahrt schaffte ich es schliesslich um 22:30 Uhr ins Hostel,
wo ich mit lauter Bass und Hip Hop Musik von einer Party Traube
empfangen wurde. Alle waren aufgebrezelt, auf der Rezeption war ein
riesiges Fass mit Bier aufgestellt und die Musik war fast zu laut um
mich mit der Rezeptionistin zu unterhalten. Ein Freibier wurde mir
als erstes angeboten und dann wurde ich eingecheckt. Schnell noch
Geld geholt und dann habe ich meinen Mini 6 Bett Dorm bezogen. Ohne
zu untertreiben, war das Zimmer vielleicht 9 Quadratmeter groß und
ein 1 ½ Quadratmeter großes Bad nannten wir auch noch unser eigen.
3 Hochbetten waren neben einander gequetscht und ich fand als erstes
nicht mal Platz für mein Gepäck. Naja alles halb so wild. Erstmal
wieder runter und mein Bier ausgetrunken. Ich gesellte mich auf die
Terasse zu einigen Leuten und unterhielt mich. Schwubb die wubb war
es halb 2 und ich war nun wirklich im Eimer. Tschüss gesagt und ab
ins Bett. Von meinen Mitbewohnern hatte ich bislang noch niemanden
gesehen. Nun war zumindestens Francisco (den Namen kannte ich zu dem
Zeitpunkt noch nicht) in dem Bett unter mir und schlief seelenruhig
mit Augenmaske und Ohropax. Sauber, beides hatte ich nicht mit. Aber
ich war guter Dinge, denn die Musik konnte man im Zimmer nicht hören
und zu dem Zeitpunkt war es angenehm ruhig. Ungefähr eine halbe
Stunde später war ich fast eingeschlafen, als plötzlich die Tür
aufrummste. Licht an und auf einem Mal stubbste mich ein Finger an
die Schulter. “Dude, do you have a condom?”. Das waren die ersten
Worte von meinem anderen Mitbewohner des Dorms. Ich verneinte die
Frage etwas verdutzt und so fragte er Francisco, der ihm aushelfen
konnte. So verliess er kurzzeitig das Zimmer. Alles klar, dachte ich
mir und hoffte das er nicht wiederkommen würde. Es hat ungefähr 5
Minuten gedauert. Da wummste die Tür auf und das Licht ging wieder
an. Nun waren auch meine anderen Mitbewohner (2 Dänen und 2
Australier) mit im Zimmer, zusammen mit einer Frau. Alle wussten
Bescheid was nun passieren würde und ausser dem Kondom-Australier
und der Frau verliessen alle das Zimmer. Alle, ausser mir. Ja nun
hätte ich es nicht so schlimm gefunden, wenn sie schnell Sex gehabt
hätten und dann wieder abgezogen wären. So war es aber nicht. Die
Frau (Vanessa, auch die habe ich erst später kennengelernt) wollte
nämlich nicht. “No you are doing that with everyone in the
hostel”. “But baby you are the only one. I only want you..” So
in dem Stil, ging es ganze 2 Stunden lang, immer mal unterbrochen von
Kussgeräuschen, und mittlerweile war es 5:30 Uhr. Schliesslich haben
beide sich dafür entschieden wieder runter zu den anderen zu gehen
und so hatte ich bestimmt eine halbe Stunde Schlaf bis die ganze
Horde wieder hereinstürmte. Die Dänen flogen an dem Morgen nämlich
wieder zurück und haben durchgemacht. Packten also morgens nun ihre
Sachen und verliessen schliesslich ein für alle Mal das Zimmer. Ja
gut, dann schlief ich nochmal bis 10:00 Uhr und dann wurde es so
heiss in dem Zimmer das ich schliesslich auch aufstand. Mann war ich
fertig. Naja immerhin fand ich (wurde mir von der Rezeptionistin
empfohlen) einen super Italiener, wo ich einen sehr leckeren Kaffee
und ein köstliches Panini genoss. So sah der Tag schon etwas besser
aus. Nachmittags hab ich dann meinen Blog geschrieben, denn zu viel
mehr war ich auch nicht in der Lage und Abends ging es dann zum Miami
Heat Playoff Spiel gegen Indiana. Komischerweise war ich gar nicht
mehr sooo unglaublich kaputt und hatte Lust mir das Spiel anzugucken.
Schon auf dem Weg dorthin gaben sich die Australier wieder von ihrer
besten Seite. Im Bus gröhlten 4 Männer aus Darwin völlig betrunken
durch sämtliche Sitzreihen und belästigten so ziemlich jeden. Aber
hey es ist ja schliesslich Miami Beach und wie ich schon festgestellt
habe, kommen hier alle nur zum feiern her.
Von dem Spiel erzähle
ich immer gern eine Annekdote. Ich saß natürlich ganz weit oben,
denn das waren die billigsten Plätze und vor allem welche, die ich
noch in der Kürze ergattern konnte. Sehen konnte ich alles und somit
gab es keinen Grund sich zu beschweren. Neben mir saßen jeweils 2
Pärchen, wobei die Frauen beide neben mir saßen. Nun gingen die
Pärchen unglaublich bei dem Spiel mit. Wenn LeBron mal einen daneben
geworfen hat, dann wurde sich darüber aufgeregt und genauso wurden
alle gelobt und bejubelt, wenn mal was Gutes passiert ist. Wie dem
auch sei, jedenfalls saß ich in der Mitte und hab zwar auch
geklatscht, aber halt nichts gerufen und bin auch manchmal sitzen
geblieben als alle aufgesprungen sind. Naja bei der Halbzeit kam dann
plötzlich einer der Männer und fragte mich, ob ich 21 sei. Ich
verstand zuerst die Frage nicht so richtig und bejahte schliesslich,
denn ich sei ja schon 27 Jahre alt. “Im buying you a beer, dude”.
Hä? Meint er das ernst? Ja, das meinte er und nach einer halben
Stunde kam er tatsächlich mit einem Bier für mich wieder. Mega
cool, dachte ich. Eine halbe Minute später kam dann die Erklärung:
“My wife said you need to brighten up”..Oh mann war ihr das
unangenehm. Mir war es egal und ich erklärte, dass die letzten
Nächte nicht so schlafergiebig waren. Naja auf jeden Fall sehr
lustig, denn so sehr ist neben mir noch niemand vor Scham versunken
;-)
So ging das Spiel zu
Ende und Miami gewann glaub ich mit 30 Punkten, also nicht wirklich
ein gutes spannendes Spiel. Der Rückweg war dann mit dem Bus auch
schwerer als gedacht, aber nachdem ich einen Penner erfolgreich
abgeschüttelt habe, der Geld für seine Führung zur Bushaltestelle
haben wollte, fand ich auch diesen Weg erfolgreich. Zurück im Hostel
trank ich noch ein zwei Bier und gesellte mich zu Francisco, der mit
2 deutschen Mädels auf der Terasse saß. So lernte ich Judith und
Kristin kennen und in dem Vierergespann unternahmen wir die nächsten
Tage was. So wurde die Lincoln Street und eine große Mall zum
Einkaufen besucht und Abends haben wir zusammen im Partybus gefeiert.
Neben Beachvolleyball, Schwimmen und am Strand liegen war es dann
auch schon was in Miami passiert ist. Viel Party, Sonne und wenig
Schlaf. So lässt sich Miami für mich zusammenfassen.
An einem Samstag bin
ich wieder nach Hause geflogen und ich war heilfroh nicht auch noch
das Wochenende in Miami verbracht zu haben, denn es war das Memorial
Day Weekend. Offiziell wird sich an dem Memorial Day an die
Kriegsveteranen erinnert. Inoffiziell kommen an dem Wochenende vor
Allem Schwarze nach Miami Beach und feiern bis sie nicht mehr kommen.
Man erzählte mir, dass im Vorjahr 23 Leute in Miami bei
Schiessereien ums Leben gekommen seien und aus dem Grund das Hostel
auch keine Diskobesuche organisieren würde, denn es sei schlicht zu
gefährlich. Zwar war ich am Samstag schon wieder weg (das soll der
schlimmste Tag sein), aber am Freitag zeichnete sich schon alles sehr
gut ab. Auf jeder Straße tummelten sich kleine oder größere
Grüppchen von muskelbepackten Leuten, die sich gegenseitig mit
lauter Hip Hop Musik beschallten. So blieb ich am Freitag lieber im
Hostel und die meisten anderen teilten diese Meinung. Ein schöner
letzter Tag ging so zu Ende und am nächsten Tag ging es wieder in
die Heimat. Die Gedanken, die mir dort durch den Kopf gingen habe ich
in dem entsprechenden Blog beschrieben. In jedem Fall war es für
mich eine unbeschreibliche Erfahrung. 1 ½ Jahre die Welt bereist.
Einiges an Glück und manchmal auch Pech gehabt. Wenn man im
Nachhinein zurückblickt ist es schon erstaunlich aus was für
Situationen man sich wieder befreit hat und schliesslich doch wieder
alles anders als geplant gekommen ist. Ich kann es kaum in Worte
fassen, wie viel mir diese Reise gegeben hat und ich bin unglaublich
glücklich und stolz, dass ich mir diesen Traum erfüllen konnte.
In diesem Sinne soll
auch der Blog an dieser Stelle zu Ende gehen. Ich habe mich sehr
gefreut zu sehen, wie viele Leser täglich diesen Blog verfolgt haben
und möchte noch einmal allen danken, die fleissig kommentiert und
mitgelesen haben. Hoffentlich begleitet mich der ein oder andere auf
meinen zukünftigen Reisen.
---The
End--
Tip top! Mensch Roland, da hast du echt eine unglaublich geniale Reise hinter dir! Die Erfahrung, die Erlebnisse kann dir keiner nehmen, die Stories werden auch noch deine Kinder zu hören bekommen. Dein Abflug nach Miami im JFK...kommt mir zu bekannt vor (letztes Mal NY, exakt wie du beschrieben hast inklusive Verspätung des Fluges, Zitat Anne: "My heart is beating like a jungle drum" - Der Soundtrack als wir durch die Securityabsperrung sind;)). Ich würde sagen: Alles richtig gemacht. Ich überlege nun ernsthaft Miami zu machen oder nicht...hrm
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